Die Halbinsel Ampasindava

Die Halbinsel Ampasindava

Author
Emmanuel Van Heygen
Exo Terra Brand Manager

Die Exo Terra Expedition brach von Paris aus zu einem der entlegensten und ungastlichsten Teile der „Roten Insel“, wie Madagaskar auch genannt wird, auf.  Das Expeditionsteam musste vier Flüge, eine 10-stündige Seereise und eine mehrstündige Fahrt mit einer Piroge durch die natürlichen Kanäle der dichten Mangrovenwälder auf sich nehmen, um schließlich das erste Camp einrichten zu können. Obwohl eigentlich Trockenzeit herrschen sollte, war davon nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Die Zelte mussten im strömenden Regen aufgebaut werden, und die Ausrüstung des Teams war völlig durchnässt. So diente das Außenzelt letzten Endes nur noch dem Schutz vor den Millionen von Stechmücken. Madagaskar ist eines der weltweiten Hochrisikogebiete für Malaria, eine durch Mücken übertragene und oft tödlich verlaufende Krankheit.

Die Halbinsel Ampasindava

Der nächste Tag sah jedoch vielversprechender aus, denn die starken Sonnenstrahlen weckten die Teammitglieder früh auf. Dieser frühe Start ermöglichte es uns, noch am selben Tag unser Endziel, einen mit unberührtem Regenwald bedeckten Bergkamm, zu erreichen. Der erste Teil dieser Reise war einfach, bzw. wenigstens nicht anstrengend, da er mit einer Piroge auf dem Kongony-Fluss zurückgelegt werden konnte. Dieser Fluss ist einer der einzigen Orte in Madagaskar, an dem das Nilkrokodil noch in großer Zahl vorkommt – angesichts der Größe der Pirogen (kleiner als die größten Krokodile) eine beängstigende Vorstellung!

Der zweite Teil der Reise war eine Kombination aus Kriechen und Klettern von 10 km bis zum Bergkamm, der sich auf einer Höhe von 500 Metern befindet. Eine kleine Fläche im dichten Primärwald wurde von Zweigen, Ästen und Lianen befreit, um den zweiten Lagerplatz zu errichten. Der klare Himmel ermöglichte es diesmal, ein Lagerfeuer anzuzünden und eine der gefriergetrockneten Mahlzeiten, Spaghetti Bolognese, zuzubereiten. 

Die Mahlzeit gab dem Team die Kraft für die erste nächtliche Erkundung des Lagerplatzes. Da dieses Gebiet von Herpetolog*innen und Biolog*innen bislang noch unerforscht war, waren wir noch dabei, die zu erwartenden Arten genau zu bestimmen, jedoch vermuteten wir das Vorkommen von Uroplates bzw. des madagassischen Blattschwanzgeckos. Das Problem bei der Suche nach diesen Geckos ist ihr unglaubliches Tarnungsvermögen. Sie verschmelzen perfekt mit der Baumrinde, den Flechten und Moosen, wenn sie auf einem Baumstamm ruhen. Während ihrer nächtlichen Aktivitäten sind sie dank ihrer besonderen Form und ihres weißen Bauches viel leichter zu erkennen. Und so gelang es uns, mehrere riesige Blattschwanzgeckos, Uroplates henkeli, auf der Jagd nach Insekten zu erspähen. Die Suche nach dem kleinen Blattschwanz Uroplates ebenaui blieb erfolglos, jedoch konnten wir andere Gecko-Familienmitglieder wie Paroedura oviceps und Geckolopis maculata erblicken.
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Bemanevika Village - By E. Van Heygen

Am nächsten Tag wollten alle die Gegend bei Tageslicht erkunden, und der blaue Himmel sah sehr vielversprechend aus. Beim Frühstück – Cracker mit Honig – wurden die Erkundungsgebiete abgesteckt und die Planung für die nächsten Tage festgelegt. Das erste Mikrohabitat, das erforscht wurde, war eine riesige Bambusfläche in einem unberührten Wald. Es handelte sich um mittelgroßen Bambus von etwa 5 cm Dicke und 6 bis 7 Metern Höhe, dessen Halme dicht an dicht wuchsen. Die toten Bambushalme lagen kreuz und quer übereinander wie bei einem riesigen Mikado-Spiel. Beim ersten Reptil, das wir sichteten, handelte es sich erneut um einen Henkels Plattschwanzgecko, der auf einem grünen Bambus schlief. Das Reptil war leicht zu erkennen, da sich seine braune Tarnfarbe und sein Muster von dem grünen Bambus abhoben. Etwa zur gleichen Zeit entdeckten wir die erste Regenwaldart des Taggeckos, ein Exemplar von Phelsuma seippi, der ebenfalls mittelgroßen Bambus zu bevorzugen schien. Leider wurde diese spannende Erkundungstour durch einen heftigen Regenschauer vorzeitig beendet. 
Die nachmittäglichen Regenschauer schufen die perfekten Bedingungen, um nachts Amphibien beobachten zu können. In dieser Nacht stieg die Luftfeuchtigkeit auf etwa 100 %, und ein Chor von Hunderten von Fröschen sorgte für eine angenehme Atmosphäre im Wald. Dabei hörten wir deutlich mehr Frösche als wir tatsächlich zu Gesicht bekamen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass viele dieser Frösche zu den kleinsten Arten der Welt gehören und im Laub auf dem Waldboden leben. Wir hatten das Glück, Stumpffia pygmaea (1 cm), eine winzige Froschart und damit den kleinsten Frosch Madagaskars zu entdecken. Auch Laubfrösche wie Boophis tephraeomystax und Mantidactylus konnten zum ersten Mal in Madagaskar verzeichnet werden.
Die Halbinsel Ampasindava
Die Sonne schien bereits, als unser Team am nächsten Tag die Zelte öffnete. Nach einer Erfrischung im Gebirgsbach machte sich die Gruppe erneut auf den Weg zu der Bambusfläche, die am Vortag bereits teilweise erkundet worden war. Bei der Ankunft am Einsatzort bemerkte eines der Teammitglieder einen Blutegel, der an seinem Fuß klebte. Dieser Parasit hatte vermutlich in dem Bergbach, in dem wir zuvor gebadet hatten, auf sein nächstes Opfer gewartet. Der Blutegel wurde mit einem heißen Messer entfernt, und das Team konnte mit seinen Untersuchungen beginnen. Wir entdeckten einen winzigen grünen Gecko, der jedoch, bevor wir ihn uns näher ansehen konnten, in den kleinen Blättern des Bambus verschwand. Eine ausgedehnte Suche nach dem Tier oder ähnlichen Tieren blieb erfolglos, aber alle von uns waren fest entschlossen, einen dieser kleinen grünen Geckos zu finden. Es hatte wirklich den Anschein, dass es sich um eine unentdeckte Spezies handelte.  
Ein paar Tage später verließ das Team bei einem weiteren Versuch, den „grünen Winzling“ (wie die Teammitglieder diesen schwer zu fassenden Gecko nannten) zu finden, das Basislager sehr früh, um bei Sonnenaufgang vor Ort zu sein. Jedes Teammitglied nahm eine Position in einer bestimmten von Bambus bewachsenen Fläche ein, darunter auch die Stelle, auf dem der „grüne Winzling“ zuerst gesichtet worden war.
Es dauerte bis 10 Uhr, bis sich das kleine Wesen endlich wieder zeigte! Und dieses Mal war es eindeutig: Eine neue Art von Taggecko war entdeckt worden! Es dauerte eine ganze Weile, bis das Team es für weitere Untersuchungen und Fotos einfangen konnte. Die Freude unter den Expeditionsmitgliedern war groß, und einer unserer madagassischen Freunde lief zurück zum Basislager, um warmes Bier, halbfrisches Gemüse und zwei Dosen Sardinen zu holen, während andere einen Tisch, Stühle und sogar Besteck aus Bambus bauten. Der Tisch war mit einem riesigen Blatt des Baumes der Reisenden bedeckt, und plötzlich sah dieser feuchte Waldbereich wie ein Festsaal aus. Das musste gefeiert werden! Als Dessert wurde eine frische Honigwabe mit köstlich süßem Honig serviert.  
Nach diesem erfolgreichen Tag brach die Exo Terra Expedition das Lager ab. Es ging weiter in Richtung Süden zum Dorf Bemanivika, wo wir hofften, frische Vorräte wie Wasser in Flaschen und Gemüse zu bekommen. Wir wussten, dass wir keine kalten Getränke erwarten konnten, da es auf der Halbinsel keinen Strom gab. Nachdem wir gefunden hatten, was wir suchten, ging die Expedition zurück in den Wald, um eine geeignete Stelle für einen neuen Lagerplatz zu finden. Am Abend wurde am Lagerfeuer viel über die Entdeckung des Vortages gesprochen, die zweifellos der Höhepunkt dieser Exo Terra Expedition war. 
Am Morgen wurde der unberührte Regenwald von den ersten Sonnenstrahlen, die durch die Lianen und Blätter der riesigen Bäume des Waldes fielen, wunderschön beleuchtet. In der Nähe des Lagers befand sich wieder eine Bambusfläche, und viele von uns konnten es kaum erwarten, sie sich näher anzusehen. Alle Arten, die wir in der vergangenen Woche beobachtet hatten, wurden hier wieder in großer Zahl gefunden, darunter auch der auffällige Blaue Bambus-Taggecko (Phelsuma klemmeri).  
Plötzlich wurde ein weiterer winziger grüner Gecko abseits des Bambus in einer hohen Palme gesichtet! Er sonnte sich sehr hoch oben auf einem der obersten Riesenblätter. Keine Chance dorthin zu gelangen – dachten wir. Doch einer der Madagassen verwandelte sich schnell in eine Art menschlichen Lemur, kletterte in Windeseile in die Baumkrone, schnitt das Blatt ab und warf es zusammen mit dem Gecko, der noch daran hing, zu Boden. Zu unserer Überraschung saß auf dem Blatt eine weitere winzige Taggeckoart, Phelsuma quadriocellata parva, die bisher nur an der Ostküste Madagaskars gefunden worden war. Es gab keine Aufzeichnungen darüber, dass diese Art an der Nordwestküste gesichtet worden war.
Die Halbinsel Ampasindava
In den nächsten Tagen und Nächten wurden viele weitere Mikrohabitate erforscht und viele Reptilien und Amphibien gefunden. Da gerade Trockenzeit herrschte, wurden nur wenige Chamäleons gesichtet, wie Furcifer oustaleti, Furcifer pardalis bzw. das Pantherchamäleon sowie Calumma boettgeri, eine kleine und seltene Chamäleonart. Am letzten Tag im Wald erwartete uns eine weitere bedeutsame Entdeckung: Versteckt im Laub fanden wir eine mehr als 2 Meter lange Madagaskar-Bodenboa, Acrantophis madagascariensis, die auf Beute wartete. Müde gingen alle früh schlafen, denn am nächsten Tag mussten wir mehrere Stunden zurück zu den Pirogen laufen, die am Kongony-Fluss auf uns warteten.  
Noch vor Sonnenaufgang verließ die Expedition die unberührten Waldgebiete und sehnte sich nach einem Sprung ins Meer, musste sich aber zunächst wieder durch die Mangroven schlagen. Wehmütig ließen wir den dichten Wald und seine Tiere hinter uns. Das Team war still, als wir in unseren Pirogen langsam an den dichten Wänden aus Mangrovenbäume entlang trieben. Diese Stille wurde jäh unterbrochen, als wir wieder den Strand und das offene Meer erreichten. Es war das erste Mal, dass wir sicher ins Wasser springen konnten, ohne Angst vor Blutegeln und Krokodilen haben zu müssen. Wir alle genossen zwei weitere Tage an diesem abgelegenen und wunderschönen tropischen Strand. Dennoch konnten einige von uns nicht widerstehen, die Büsche und Bäume hinter dem Strand zu erkunden, während andere das türkisblaue Meer bevorzugten. 
Am Horizont tauchte ein Boot auf, das zweifellos schneller fuhr als die winzigen einheimischen Pirogen mit ihren quadratischen Segeln. Allen war klar, dass dies das Ende einer außergewöhnlichen Reise in die entlegensten Winkel Madagaskars bedeutete. Das Boot brachte uns zurück in die Zivilisation, wo eine heiße Dusche und ein kaltes Bier auf uns warteten.
Author
Emmanuel Van Heygen
Exo Terra Brand Manager
Die Halbinsel Ampasindava
Die Halbinsel Ampasindava

Madagascar Journals

Die Juwelen Des Bambuswaldes II

Die Juwelen Des Bambuswaldes II

Von den belebten Straßen Brüssels in die ungezähmte Wildnis Madagaskars: Die Reise des Exo Terra Expeditionsteams war mehr als außergewöhnlich. Unser Abenteuer begann mit einem großen Sprung von Belgien auf die Insel La Réunion. Am nächsten Tag ging es weiter auf die mystische Insel Nosy Bé, sozusagen dem Kronjuwel Madagaskars.

Die Juwelen Des Bambuswaldes II

Die Juwelen Des Bambuswaldes II

Drei Stunden nach unserer Ankunft empfing uns die Mündung des Bezavona-Flusses inmitten der südlichen Ausläufer der Ampasindava-Halbinsel. Wir fuhren tiefer und schlängelten uns durch dichte Mangrovenwälder, bis das Wasser zu flach für unser Boot war. In dem Moment, in dem wir das Land betraten, versammelten sich die Dorfbewohner um uns, und ihre Augen verrieten eine Mischung aus Neugier und Verwunderung, insbesondere bei den Jüngeren, die noch nie einen „Vaza“ (Ausländer) gesehen hatten. Ihre Erzählungen waren ebenso fesselnd wie unsere Reise, voller Geschichten über die letzten französischen Siedler, die die Region 25 Jahre zuvor verlassen hatten.

Die Juwelen Des Bambuswaldes III

Die Juwelen Des Bambuswaldes III

Ambaliha ist ein typisches madagassisches Dorf mit äußerst freundlichen, neugierigen und wissbegierigen Menschen. Einem der Kinder im Dorf zeigten wir auf meinem iPod Bilder von ihrem Vater, die wir 2004 gemacht hatten, als er uns in den Wald begleitet hatte. Das ganze Dorf war verblüfft, einige der Dorfbewohner auf diesem kleinen iPod-Display zu sehen.

Entdeckung Eines Neuen Geckos

Entdeckung Eines Neuen Geckos

Das Exo Terra Team begab sich auf die Suche im Herzen der Bambuswälder, die die Halbinsel Ampasindava bedecken. Unser Ziel: ein winziger, schwer zu fassender grüner Taggecko, der nur wenige Tage zuvor unseren Kameraobjektiven entgangen war

Phelsuma vanheygeni

Phelsuma vanheygeni

Achim Lerner's initial description of Phelsuma vanheygeni in the 'Phelsuma' journal, courtesy of the Nature Protection Trust of Seychelles.

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