Expedition 2007 - Gabun / Der Reisebericht

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Reiseroute

1. Tag – 23.04.07: Mechelen
2. Tag – 24.04.07: Mechelen – Paris – Libreville
3. Tag – 25.04.07: Libreville
4. Tag – 26.04.07: Libreville
5. Tag – 27.04.07: Libreville – Loango
6. Tag – 28.04.07: Loango – Akaka
7. Tag – 29.04.07: Akaka
8. Tag – 30.04.07: Akaka
9. Tag – 01.05.07: Akaka – Loango
10. Tag – 02.05.07: Loango – Tassi
11. Tag – 03.05.07: Tassi
12. Tag – 04.05.07: Tassi – Loango
13. Tag – 05.05.07: Loango
14. Tag – 06.05.07: Loango – Ivindo
15. Tag – 07.05.07: Ivindo
16. Tag – 08.05.07: Ivindo
17. Tag – 09.05.07: Ivindo
18. Tag – 10.05.07: Ivindo – Libreville
19. Tag – 11.05.07: Libreville
20. Tag – 12.05.07: Libreville
21. und 22. Tag – 13.05.07 und 14.05.07: Libreville – Paris

23.04.07 – MONTAG: MECHELEN

Heute treffen sich fünf der sechs Teammitglieder in Mechelen, Belgien, von wo aus unsere Reise nach Gabun am nächsten Tag beginnen soll. Diese Gruppe besteht aus zwei Belgiern, Emmanuel & Guy van Heygen, zwei Deutschen, Klaus Reimüller und Roland Zobel und einem gebürtigen Dänen, Brian Rasmussen. Ein Teammitglied fehlt noch: Lonnie McCaskill aus den Vereinigten Staaten werden wir am nächsten Morgen am Flughafen Charles de Gaulle in Paris treffen.

In der historischen Innenstadt vom Mechelen gegenüber der wunderschönen, alten Kathedrale essen wir zu Abend. Alle sind aufgeregt, aber begierig die Reise am nächsten Tag in ein Land anzutreten, das uns noch unbekannt ist. Alle Teammitglieder sind reiseerfahren und während des Abendessens werden Geschichten von vergangenen Abenteuern ausgetauscht.

Zurück im Hotel öffnen wir eine Flasche Champagner, um Brian als den Gewinner des Nactus Award 2007 zu feiern und natürlich aus Vorfreude auf die Reise.

24.04.07 – DIENSTAG: MECHELEN – PARIS – LIBREVILLE

Wir stehen früh auf und verlassen das Hotel um 6.00 Uhr morgens. Von Mechelen aus nehmen wir einen Pendlerzug nach Brüssel und von dort aus den super schnellen TGV, der uns von Brüssel nach Paris Charles de Gaulle in knapp einer Stunde bringt. Hier treffen wir das letzte Teammitglied, Lonnie McCaskill.

Nun sind wir vollzählig und können den ersten Teil unserer Reise in das “Land der surfenden Flusspferde” beginnen.

DIE TEAMMITGLIEDER SIND:

Emmanuel van Heygen, Belgier (Expeditionsleiter und Exo Terra Produktmanager)
Guy van Heygen, Belgier (Filmemacher)
Brian Rasmussen, Däne (Gewinner des Nactus Award 2007 und offizieller Fotograf der Expedition)
Lonnie McCaskill, Amerikaner (Zoologischer Leiter, Disney’s Animal Kingdom)
Roland Zobel, Deutscher (Produktmanager für Aquaristik, Terraristik und Teich, Hagen Deutschland)
Klaus Reimüller, Deutscher (Leiter der europäischen Markenentwicklung, Hagen International)

Um 11.40 Uhr startet unser Flugzeug mit ungefähr 40 Minuten Verspätung. Es ist sehr heiß während des Fluges. Aber dies ist gut, um sich auf die Reise während der nächsten drei Wochen in der Nähe des Äquators vorzubereiten. Während des Fluges besprechen wir unsere Reiseroute und machen uns mit den verschiedenen Regionen vertraut, die wir bereisen werden.

Nach ereignisreichen 6,5 Stunden Flug haben wir eine schroffe Landung in Libreville. Es ist jetzt 19.00 Uhr. Wir sind immer noch in derselben Zeitzone, aber es ist 1 Stunde später, da Gabun die Uhr für die Sommerzeit nicht umstellt.

Wie für Afrika normal ist auch hier die Zoll- und Gepäckkontrolle sehr langsam, aber wir schaffen es doch in knapp einer Stunde. Als wir aus dem Flughafen treten, werden wir sofort von der Hitze erschlagen. Die Außentemperatur beträgt ungefähr 30°C bei einer Luftfeuchtigkeit von ca. 95%. An diese Temperaturen werden wir uns erst gewöhnen müssen. Wir werden bereits von zwei hübschen jungen Gabunerinnen erwartet, die für die „Operation Loango“ arbeiten. In einem Bus, der zu klein für neun Personen und eine Menge Gepäck ist, fahren wir zum Hotel Tropicana, unserer Unterkunft für die ersten drei Tage.

Als wir aus dem klimatisierten Bus steigen, trifft uns die Hitze erneut wie ein Hammer und wir schwitzen enorm. Wir werden in Bungalows untergebracht. Sie sind heruntergekommen und sehr einfach; aber die Lage des Tropicanas direkt am Strand entschädigt gebührend für die schlechte Unterbringung. Außerdem – verglichen mit den afrikanischen Standards – ist das Restaurant erste Klasse.

Nachdem wir alle geduscht haben, treffen wir uns alle im Freiluft- Restaurant und nehmen unsere erste Mahlzeit in Afrika zu uns. Wir sind alle sehr aufgeregt, hier zu sein und unterhalten uns noch bis 23.00 Uhr. Dann gehen die meisten von uns ins Bett. Roland, Brian und Lonnie gehen jedoch noch auf einen kleinen Ausflug, um herauszufinden, welche Tiere sie in der unmittelbaren Nähe finden können.

25.04.07 – MITTWOCH: LIBREVILLE

Kurz nach 7.00 Uhr treffen wir uns alle zum Frühstück. Der Tag beginnt freundlich und trocken, aber der Himmel ist bedeckt. Wir tragen nun alle unsere offiziellen Exo Terra Expeditions-T-Shirts und genießen unseren Kaffee. Im Hintergrund ist die Brandung des Ozeans zu hören. Drei Teammitglieder waren bereits fleißig und haben nach Reptilien gesucht und haben die ersten Fotos geschossen.

Wir stimmen alle darin überein, dass es ein faszinierendes Gefühl ist, buchstäblich am Rande eines Kontinents und eines Landes zu sitzen, dass noch relativ unberührt vom Rest der Welt ist – einem Land, das „der letzte Garten Eden, in dem die Zeit stillsteht“ genannt wird.

Den größten Teil des Morgens verbringen wir damit, nach Reptilien zu suchen und Fotos von einer Reptilien-Art zu machen, die wir hier in Hülle und Fülle finden: den Siedleragamen (Agama agama). Einige Männchen sind mit hellgelben Köpfen und orangefarbenen Schwänzen wirklich wunderhübsch.

Um 11.00 Uhr beschließen wir, Libreville zu erkunden. Wir finden zwei Taxis und nach einer kurzen Verhandlung mit den Fahrern einigen wir uns auf einen Preis von 30.000 CFA (umgerechnet ungefähr €45,00) für einen halben Tag. Kurze Zeit später halten wir am größten und farbenfrohsten Straßenmarkt in der Innenstadt. Wie überall in Afrika tummeln sich auch auf diesem Markt sehr viele Menschen und es ist laut und chaotisch. Aber am eindruckvollsten sind die Farben und die flächendeckenden Sonnenschirme.

Da wir alle Fotokameras dabei haben und alle dieselben Exo Terra T-Shirts tragen, bleiben wir nicht lange unbemerkt. Einige reagieren sogar aggressiv. Sie fragen uns, ob wir nur gekommen sein, um Fotos von ihrem Elend zu machen.

Ein Stand erregt ganz besonders unsere Aufmerksamkeit und wir müssen dem Besitzer fast €20,00 zahlen, damit wir ein paar Fotos machen dürfen. An diesem Stand befinden sich abgeschnittene Antilopenköpfe, Elefantenfüße, Affenköpfe und –füße in einem mehr oder weniger fortgeschrittenen Stadium der Verwesung. Außerdem finden wir getrocknete Schlangen, Schildkröten, Chamäleons, einen verwesenden Papageien, jede nur erdenkliche Tierhaut, Federn, abgeschnittene Hühnerfüße und sogar einen abgetrennten Hyänenkopf. Bereits durch das Fotografieren könnten wir in Schwierigkeiten geraten; aber wir sind alle so fasziniert, dass wir nicht damit aufhören können. Nun wird die Mittagshitze immer drückender und der Gestank des Marktes steigt ins Unermessliche.

Emmanuel treibt das Team nun weiter, da wir zu viel Aufmerksamkeit erregen. Zurück im Taxi werden wir in einen besseren Teil der Stadt gebracht, wo wir zuerst etwas trinken und dann in einem der berühmtesten Restaurants Librevilles zu Mittag essen. Es gibt dort internationale Küche, aber die Spezialität des L’Odika ist das Buschfleisch, wie Antilope, Krokodil, Python und Stachelschwein. Wir passen alle. Nur Roland bestellt Python, die gar nicht so schlecht schmeckt.

Während des Mittagessens beginnt es zu regnen. Dann verwandelt sich der Regen in einen tropischen Regenschauer, der fast zwei Stunden anhält. Als der Regen aufhört, beschließen wir, den Markt für afrikanische Kunst und Kunstgegenstände zu besuchen. Sowohl Lonnie als auch Emmanuel kaufen zwei tolle Masken zu einem sehr günstigen Preis.

Als wir gegen 18.00 Uhr wieder im Hotel ankommen, trinken wir etwas in der kleinen Strandbar in der Nähe des Hotels. Danach machen wir uns frisch und treffen uns zum Abendessen um 20.00 Uhr wieder. Während wir alle nach dem Abendessen bei einander sitzen, machen Roland und Brian noch einen kleinen Ausflug auf dem Hotelgelände. Nach einer kurzen Zeit kehren sie mit einem Frosch und einer Kröte zurück. Nicht schlecht für unseren ersten Tag! Auf unserem Weg in unsere Zimmer entdecken wir noch eine riesige Schnecke, die ebenfalls aus jedem Winkel fotografiert wird. Um Mitternacht haben sich alle in ihre Hotelzimmer zurückgezogen.

26.04.07 – DONNERSTAG: LIBREVILLE

Wir haben alle relativ gut geschlafen, aber einige leiden ein wenig unter Montezumas Rache. Um 7.00 Uhr morgens sind die ersten Teammitglieder bereits wach und werden von einem teilweise sonnigen Himmel begrüßt. Während des Frühstücks diskutieren wir alle möglichen tropischen Krankheiten, die man sich in diesen Teilen Afrikas einhandeln kann. Dies ist jedoch nicht sehr beruhigend. Nach dem Frühstück waschen einige von uns bereits ein bisschen Wäsche, da wir alle mit sehr leichtem Gepäck gereist sind.

Um 10.30 Uhr springen wir in zwei Taxis und machen uns auf unseren ersten Dschungelausflug auf. Jenseits der Stadtgrenze verwandelt sich die gepflasterte Strasse in eine Schotterstrasse mit riesigen Schlaglöchern. Wir fahren an einfachen Hütten und verfallenen Häusern vorbei. In solchen Momenten stellt man fest, was für ein sicheres und komfortables Leben wir in Europa führen. Obwohl Gabun eines der reichsten Länder in Afrika ist, ist es immer noch sehr arm im Vergleich zu europäischen Standards.

Nach ungefähr 45 Minuten Fahrt erreichen wir eine dicht bewachsene Waldregion. Von hier aus starten wir unsere erste richtige Entdeckungstour. Wir strömen aus und Guy hält seine Filmkamera bereit. Obwohl man ihn nie bemerkt, ist er immer da und filmt alles für den Dokumentarfilm. Das Wetter ändert sich erneut und Regen liegt in der Luft. Obwohl zwölf Augen den Wald und den Boden ohne Unterbrechung absuchen, können wir nur zwei Skinke und einen Frosch finden.

Um 14.00 Uhr beginnt es zu regnen und wir gehen langsam zu den wartenden Taxis zurück. Auf der Fahrt zurück in die Stadt entdecken wir zwei große Warane. Aber bis wir die Autos angehalten haben und ausgestiegen sind, sind sie bereits im Busch verschwunden.

Um 15.00 Uhr sind wir zurück im Hotel und entspannen uns in einem der Pavillons des Hotels. Es hat in der Zwischenzeit aufgehört zu regnen und nach dem Mittagessen genießen wir die erfrischende Brise, die aus Richtung Ozean kommt. Wie wir während der nächsten drei Wochen noch feststellen sollten, endet diese Brise ganz plötzlich und es wird sofort wieder drückend heiß. Den Rest des Nachmittags verbringen wir damit, uns zu erholen, uns zu unterhalten und die Reiseroute der nächsten Wochen zu besprechen. Der Sonnenuntergang an diesem Abend ist spektakulär und wir machen viele Fotos.

Kurz nach 20.00 Uhr essen wir zu Abend, was heute schnell erledigt ist. Da wir alle müde sind, hat sich jeder bereits um 21.30 Uhr zurückgezogen. Nur Brian und Roland haben noch genug Energie, um auf einen letzten „Agamen-Ausflug“ zu gehen.

27.04.07 – FREITAG: LIBREVILLE – LOANGO

Heute beginnt unsere eigentliche Reise. Um 7.00 Uhr ist bereits jeder aufgestanden. Wir frühstücken, sortieren unsere Finanzen und beginnen unsere Rucksäcke zu packen. Kurz nach 10.00 Uhr kommen Charlene und Marcelle von unserem Reiseveranstalter SCD an. Als wir aus dem Hotel auschecken und uns für die Abreise bereit machen, fängt es wieder an, stark zu regnen. Innerhalb weniger Minuten ist der Weg zu unseren Zimmern vollständig überflutet und wir müssen eine Weile warten, ehe wir unsere Taschen aus den Zimmern holen können. Das Wetter ändert sich hier wirklich schnell; und besonders gegen Ende der Regenzeit. Dieser Morgen begann mit einer angenehmen Brise, die sich dann in drückende Hitze verwandelte und kurz danach gab es wieder einen tropischen Platzregen. Die Hotelangestellten besorgen uns nun große Regenschirme, sodass wir in und aus unseren Zimmern gelangen können, ohne klatschnass zu werden.

Wir müssen wieder alles in einen Kleinbus packen, der für neun Leute zu klein ist und so fahren wir gegen 11.00 Uhr zum Flughafen. Am Flughafen wird Klaus fast verhaftet, da er Fotos von einem öffentlichen Gebäude gemacht hatte. Schließlich muss er nur die Fotos, die er gemacht hatte, löschen. Man darf niemals die goldene Regel vergessen, dass man in Afrika keine Fotos von Regierungs- oder öffentlichen Gebäuden machen darf. Dank unserer weiblichen Begleiterinnen ist der Check-in schnell und einfach. Als wir durch die Gepäckkontrolle gehen, winken wir ihnen noch mal zum Abschied zu.

Um 13.45 Uhr fliegen wir mit 45 Minuten Verspätung ab. Unsere Reise bringt uns zuerst nach Port Gentil, der wirtschaftlichen Hauptstadt von Gabun und von dort aus nach Omboué. Das Flugzeug ist klein und nur für 16 Personen ausgelegt. Da wir relativ niedrig durch einen wolkenfreien Himmel fliegen, ist der Blick aus dem Flugzeug spektakulär und wieder werden viele Fotos gemacht. Dies ist bereits für alle zur Routine geworden. Obwohl die Expedition noch nicht mal richtig begonnen hat, haben wir zusammen wahrscheinlich bereits mehr als 800 Bilder gemacht; besonders von unseren morgendlichen „Agamen-Sitzungen“.

Der Flug dauert nicht sehr lange und wir landen in Port Gentil nur etwa 30 Minuten später. Bei unserer Ankunft werden wir von unserer holländischen Hostess Loreen begrüßt. Hier erfahren wir die schlechte Nachricht: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir aufgrund der lang anhaltenden, starken Regenfälle nach Petit Loango wandern werden können. Die gute Nachricht ist, dass wir uns so eine 30-km-Wanderung von Petit Loango nach Tassi sparen können. Aber ob es möglich sein wird, nach Tassi mit dem Jeep zu fahren, ist zu diesem Zeitpunkt auch noch sehr fraglich.

Auch die direkte Weiterreise muss geändert werden. Eigentlich sollten wir nach Omboué fliegen und von dort aus mit dem Jeep nach Iguéla fahren. Aber nur werden wir direkt mit einem kleinen Pilatus-Flugzeug nach Iguéla gebracht. Nach einer Stunde Wartezeit gehen wir an Board.

Rick, der Pilot, ist Amerikaner, kommt aus Wyoming und ist nicht sehr gesprächig. Kurz gesagt: er ist sehr merkwürdig. Außerdem ist es schon ein Abenteuer selbst, unser ganzes Gepäck in das Flugzeug zu bekommen. Es ist kaum Platz für 6 Leute vorhanden, also müssen wir uns alle hineinquetschen. Aber trotz des Platzmangels und der Hitze in der Kabine ist der Flug fantastisch und wir machen großartige Fotos von der Küste, der Savanne, den Sümpfen und dem Wald.

Nach etwa 45 Minuten Flug landet Rick das Flugzeug meisterhaft in der Mitte der Savanne, in der Nähe der Iguéla Lagune. Beim Aussteigen treten wir in Wasser. Nach den starken Regenfällen der letzten paar Tage ist das Feld, auf dem wir gelandet sind, komplett überflutet. Die Landschaft ist jedoch unglaublich schön. Nun befinden wir uns im tiefsten Afrika und weit entfernt von jeglicher Zivilisation. Ein Jeep mit zwei Einheimisch erwartet uns bereits. Ihre Namen sind Popopo und Dimitry und sie sind unsere Führer für die gesamte Zeit in und um die Laguna herum.

Unser Gepäck wird auf einen Anhänger geladen und wir lassen es einfach zurück, denn wir gehen zuerst auf eine dreistündige Safari, bevor wir uns zu unser Lodge auf machen. Am Himmel befindet sich keine einzige Wolke und es ist heiß. Aber wir sind alle so aufgeregt, hier zu sein, dass wir die Temperatur kaum noch bemerken. Oder vielleicht haben wir uns auch schon an die Temperatur gewöhnt. Es ist ein tolles Gefühl, sich an solch einem weit abgelegenen Ort zu befinden; besonders weil wir wissen, dass noch nicht viele Leute vor uns hier waren. Auf dieser ersten Exkursion sehen wir Elefanten, Affen und Büffel.

Die Waldelefanten hier sind anders als die Elefanten in Indien oder Ostafrika. Sie sind viel kleiner als ihre Artgenossen und sie sind schwarz und äußerst gefährlich. Wenn ein Waldelefant angreift, will er töten. Kurz bevor es dunkel wird, kommen wir am Ozean an, wo wir wieder Elefanten sehen. Der Sonnenuntergang ist spektakulär und wir sind ganz euphorisch. Als Sahnehäubchen öffnen unsere Führer einen Kühlkasten voll mit Bier. Was ein tolles Ende eines perfekten Tages!

Nachdem die Sonne hinter dem Horizont versunken ist, kehren wir zu unserem Anhänger zurück, hängen ihn an unseren Jeep und fahren an das Ufer der Lagune, wo wir bereits von einem Boot erwartet werden, dass uns zur Loango Lodge bringt. Wir werden von Sandro, einem Deutschen aus Berlin, begrüßt, der bereits seit mehr als zwölf Jahren in Afrika lebt und nun der Manager der Loango Lodge ist. Wir beziehen unsere Schlafpavillons, nehmen eine lange und heiße Dusche und treffen uns dann auf der Terrasse der Lodge und haben einen großartigen Blick auf die wunderschöne Iguéla Lagune.

Das Abendessen ist fantastisch, aber die Hitze und die Luftfeuchtigkeit sind an diesem Abend sehr drückend, da auch kein Lüftchen vom Wasser herweht. Wir sind alle total überdreht und ziehen uns erst gegen 0.30 Uhr zurück, als wir endlich müde werden. Roland und Brian wollen jedoch keine Gelegenheit verpassen und machen noch eine kleine Nachtwanderung auf der Suche nach Reptilien und Amphibien.

28.04.07 – SAMSTAG: LOANGO – AKAKA

Wir haben alle letzte Nacht gut geschlafen und treffen uns um 8.00 Uhr zum Frühstück. In der Nacht hat es wieder stark geregnet, aber nun ist der Himmel wieder klar. Kurz vor 9.00 Uhr beginnen wir damit, das Boot zu beladen. Es hat eine gute Größe und zwei leistungsstarke 80-PS-Außenmotoren. Jonas ist der Kapitän. Dimitry und Popopo sind unsere Landführer und Makoy ist der Koch. Um 9.30 Uhr verabschieden wir uns von Sandro und beginnen unseren ersten Ausflug in den Dschungel.

Als Jonas den Motor hochdreht, genießen wir den Wind in unseren Gesichtern und innerhalb weniger Minuten ist unsere verschwitze Kleidung getrocknet. Als wir uns aus dem tieferen Wasser der Lagune in die kleineren Wasserläufe bewegen, werden wir, jedes Mal wenn wir das Boot anhalten, um Fotos zu machen, von tausenden Moskitos und Tsetsefliegen attackiert.

Auf dem zweistündigen Weg nach Akaka sehen wir bereits Fischadler, Palmgeier, Eisvögel, Krokodile, Affen und einen Elefanten. Kurz nach 12.00 Uhr kommen wir am Akaka-Camp an, wo wir bereits von drei weiteren gabunischen Öko-Führern erwartet werden. Wir entladen das Boot und inspizieren das Camp, das für die nächsten vier Tag unsere Unterkunft sein wird.

Das Akaka-Camp liegt direkt im Dschungel am Ufer der Lagune. Ein Solarpanel erzeugt den Strom für den Radar, der in Notfällen und im Falle von Wilderen gebraucht wird. Wilderer waren auch ursprünglich der Grund, aus dem das Camp errichtet wurde und aus dem es auch immer bemannt ist. Das Camp selbst erscheint mit seinen alten Zelten auf einfachen Holzplattformen auch ziemlich heruntergekommen. Jedes Zelt hat eine Eimerdusche und eine chemische Toilette. Die Hauptplattform, auf der wir essen und sitzen werden, während wir in dem Camp wohnen, bietet einen großartigen Blick über die Lagune, aber hat ein riesiges Loch in dem strohbedeckten Dach. Viele Dinge sind baufällig, aber wir sind einfach nur glücklich hier zu sein.

Nachdem wir unser Gepäck in das Zelt gebracht haben, machen wir uns erstmal auf in den unberührten Urwald. Währenddessen wird unser Mittagessen in einer gleichermaßen heruntergekommenen Küche zubereitet. Während unseres halbstündigen Spazierganges entdecken wir bereits einen Frosch und eine schwarze Waldkobra. Nicht schlecht für den Anfang! Als es anfängt zu regnen, gehen wir zurück in das Camp. Als wir ankommen, sind wir total durchnässt und müssen unsere Kleidung zum Trocknen aufhängen. Zum Mittagessen gibt es gegrilltes Hähnchen, Gemüse und Couscous. Frische Papaya und Kaffe runden unsere erste Malzeit im Dschungel ab und wir stimmen alle darin überein, dass dies viel besser als erwartet war.

Der Regen hat wieder aufgehört und wir wagen uns erneut in den Busch. Dieses Mal entdecken wir verschiedene Frösche, zwei Skinke und eine wunderschöne grüne Mamba. Jedes Tier wird genau fotografiert und gefilmt, bevor es zurück in die Freiheit entlassen wird. Roland fängt ein paar Killifische, einen Salmler und einen Cichliden (Hemichromis fasciatus) in einem kleinen Biotop in der Nähe.

Es ist jetzt wieder sehr heiß geworden und der Schweiß rinnt uns den Körper herunter, bis unsere Kleidung vollständig durchnässt ist. Außerdem setzt auch der Regen ab und an wieder ein. Es stellt sich heraus, dass Lonnie ein wahrer „Krokodilfänger“ ist. Er wirft seinen ganzen Körper auf einen Skink und fängt dieses schnelle Tier ohne größere Probleme. Mit diesem Wissen wissen wir, dass nichts mehr vor uns sicher sein wird. Wir verbringen den ganzen Nachmittag im Wald. Aber als die Hitze zu stark wird, gehen wir zurück zum Camp und beschließen, noch einen Ausflug mit dem Boot zu machen.

Die kühle Brise auf dem Boot ist großartig und wir rasen durch die Mangrovensümpfe um uns abzukühlen. Wir entdecken sogar einen Waldelefanten, den wir zu Fuß jagen. Aber noch ehe wir uns versehen, jagt der Elefant uns zurück zum Boot.Kurz nach 18.00 Uhr sind wir zurück im Camp und bereiten uns auf eine lange Nacht vor. Wir nehmen alle eine Eimerdusche, tragen großzügig Insektenabwehrmittel auf und versammeln uns in unserem “Wohnzimmer”. Um 19.00 Uhr ist es stockdunkel und die Nacht fällt wie ein heißes, nasses Laken auf uns herab. Die Luftfeuchtigkeit sinkt in der Regel zwischen 16.30 und 18.30 Uhr, aber nur um für die Nacht so richtig in Schwung zu kommen. In dieser Nacht messen wir 28°C bei einer Luftfeuchtigkeit von 96%.

Nach dem Abendessen machen wir einen letzten Ausflug und finden einen Gecko (Hemidactylus fasciata). Insgesamt hatten wir einen ausgezeichneten ersten Tag in Akaka. Um 23.00 Uhr liegen alle im Bett. Wegen der Luftfeuchtigkeit, den kleinen Zelten und keiner Klimaanlage haben wir alle Probleme, in dieser Nacht einzuschlafen. Klaus und Brian finden sogar eine kleine Ratte in ihrem Zelt. Nachdem es ihnen nicht gelingt, das Tier mit einem Plastikbeutel zu fangen, tötet Brian es mit seiner großen Taschenlampe. Nun wird uns bewusst, dass wir sogar Tiere im Schlaf finden können. Gute Nacht Akaka.

29.04.07 – SONNTAG: AKAKA

Es war eine lange und heiße Nacht und um 6.00 Uhr morgens sind alle wach. Fünf Minuten nachdem wir eine Eimerdusche genommen haben und uns angezogen haben, sind wir schon wieder komplett durchgeschwitzt. Lonnie ist sehr früh aufgestanden und hat bereits eine schöne Gelenkschildkröte gefunden. Heute ist auch Guys Geburtstag. Also gratulieren wir ihm alle und freuen uns auf eine kleine Feier am Abend.

Kurz nach dem Frühstück blitzt es das erste Mal und der Donner grollt. Und dann öffnet sich der Himmel. Dies stellt sich als ein weiterer Wolkenbruch heraus, der fast den gesamten Tag anhalten wird. Also setzen wir uns auf die Plattform. Da wir ein riesiges Loch im Dach haben, ist ein Teil der Plattform ständig unter Wasser. Wir verbringen die Zeit, indem wir die Spinnen fotografieren, die zwischen den Tragebalken und dem Dach hängen. Roland langweilt sich und fängt große Wasserkäfer, die ebenfalls fotografiert und gefilmt werden.

Trotz des starken Regens fahren Emmanuel und Brian kurz vor Mittag in kleinen Kanus hinaus. Wir machen noch mehr Fotos von der Schildkröte und einer riesigen Elefantenzecke. Roland angelt wieder und fängt einige Epiplatys singa und Hemichromis fasciatus.

Als der Regen etwas nachlässt, schneidet Jonas ein wenig chininhaltige Rinde von einem Baum ab. Gemäß einer alten Tradition und um seinen Respekt zu zeigen, entschuldigt er sich bei dem Baum für das Abschneiden der Rinde. Die Rinde wird dann in kleine Stücke geschnitten und in eine Plastikflasche gegeben. Die Flasche wird dann zur Hälfte mit Wasser aufgefüllt. Dies trinken die Einheimischen als Prophylaxe gegen Malaria. Popopo erklärt ebenfalls, dass es im Regenwald Pflanzen gibt, die fast alles heilen können – von Übelkeit über Durchfall bis hin zu Verstopfung.

Gegen 13.00 Uhr essen wir zu Mittag. Heute gibt es Fisch und wir sind wieder über die Qualität des Essens und Makoys Kochkünste erstaunt. Da es immer noch regnet, versuchen wir alle, uns zu entspannen. Einige schlafen sogar ein. Kurz nach 15.00 Uhr hört es auf zu regnen und wir beschließen, auf einen Bootsauflug zu gehen. Wir wollen noch mal zu dem kleinen, verlassenen Dorf zurückkehren, das wir gestern gesehen haben und wo wir eine Gruppe Colubusaffen ausgemacht hatten.

Bis 1999 lebten zehn Einheimische in diesem kleinen Dorf vom Verkauf von Gemüse und Fisch an Leute von der Shell, die auf einer Ölplattform vor der Küste arbeiteten. Jeden Tag liefen die Einheimischen 10 km eine Strecke mit ihrer Ware; manchmal sogar zweimal am Tag. Als die Plattform geschlossen wurde, konnten sie hier nicht mehr überleben und mussten nach Yombé ziehen.

Auf unserem Weg in das Dorf entdecken wir ein paar Affen und eine giftige Wasserschlange und einen großen Waran. Kurz bevor wir an Land gehen, sehen wir eine große Gruppe Affen, die die Lichtung vor dem zerfallenen Bauernhaus überqueren. Sie sind jedoch so schnell, dass es unmöglich ist, ein paar gute Fotos von ihnen zu machen. Wir kundschaften die ganze Gegend aus und gehen dann tief in den Wald. Die Sonne ist nun mit der Hitze und Luftfeuchtigkeit zurückgekehrt. Angezogen von unseren schwitzenden Körpern schwirren nun tausende Fliegen, Moskitos, Wespen und Tsetsefliegen um unsere Köpfe. Auf unserer Wanderung finden wir ein paar Frösche und eine Gürtelechse.

Gegen 18.00 Uhr sind wir zurück im Camp und Klaus muss ein Wespennest von den Schuhen entfernen, die Brian zum Trockenen aufgehängt hatte. Heute ist die Hitze extrem und die Kleidung ist bei jedem von uns total durchgeschwitzt. Das Abendessen wird kurz vor 20.00 Uhr serviert und wir feiern Guys Geburtstag mit Magret de Canard und danach einem Geburtstagskuchen.

Gegen 21.30 Uhr beschließen Emmanuel, Lonnie, Brian und Roland eine Nachtwanderung zu machen. Guy und Klaus bleiben zurück im Camp und Guy erzählt Geschichten von den Seychellen. Später, als das gesamte Team wieder im Camp zurück ist, können wir Flusspferde auf der anderen Seite des Flusses hören. Wir fahren mit dem Boot los und versuchen dichter an die Geräusche heranzukommen, aber wir können nichts sehen. Um 23.30 Uhr geben wir auf und ziehen uns zurück. Eine weitere heiße und feuchte Nacht liegt vor uns.

30.04.07 – MONTAG: AKAKA

Trotz aller Befürchtungen hat das Team relativ gut geschlafen. Aber bei Tagesanbruch sind wir wieder alle wach. Um 9.30 Uhr verlassen wir das Camp, um zu dem Ort zurückzugehen, wo wir gestern den großen Waran entdeckt haben. Und tatsächlich sitzt er auf demselben Baumstamm wie gestern. Glücklicherweise schaffen wir es, nah genug an ihn heranzukommen, um ihn zu filmen und einige richtig gute Fotos von ihm zu machen. Ein wenig später sehen wir noch einen Waran, der im Wasser schwimmt. Dimitrys Versuche, ihn zu fangen, schlagen jedoch leider alle fehl.

An einer kleinen Lichtung gehen wir an Land, da wir einige Schimpansen gesehen haben. Fast eine Stunde lang folgen wir vorsichtig ihren Spuren durch den dichtesten Regenwald. Wir können sie immer mal wieder flüchtig erblicken, aber als wir eine Gruppe Waldelefanten entdecken, wissen wir, dass es an der Zeit ist, sich zurückzuziehen. Auf dem Rückweg fragen wir uns alle, wie unsere Führer den Weg durch diesen dichten Busch finden können. Die meisten von uns hatten ihren Orientierungssinn bereits nach fünf Minuten im Busch verloren. Nach einer Stunde strammem Marsch verlassen wir dennoch den Wald genau an dem Punkt, wo wir unser Boot zurückgelassen haben. Für uns ist dies ein wahres Wunder!

Um die Mittagszeit kehren wir zum Camp zurück und wir haben Glück: eine leichte Brise erreicht uns vom Fluss und macht die Temperatur nicht nur erträglich sonder sogar angenehm. Dies ist die richtige Zeit, um unsere nassen und feuchten Kleidungsstücke aufzuhängen. Zu Mittag gibt es Schnitzel und danach Crepes mit Schokoladensauce. Dann endet die Brise und es fühlt sich jetzt noch heißer denn je an. Das einzige, was man jetzt noch machen kann, ist sich so wenig wie möglich zu bewegen und binnen kürzester Zeit ist die Hälfte des Teams eingeschlafen. Emmanuel liegt zuerst im seichten Wasser eines kleinen Biotops und schläft dann auf unserem Boot ein.

Um 15.00 Uhr beschließen wir, noch einen Ausflug mit dem Boot zu machen – nur um der Hitze zu entfliehen. Wir drehen den Motor hoch und genießen alle den kühlenden Wind. In einem dunklen Mangrovensumpf entdecken wir einen Wasserbüffel. Er scheint nicht gerade schüchtern zu sein, und wir können so ein paar gute Fotos von ihm machen.

Als nächstes finden wir einen kleinen Waran auf einem Baumstamm, der versucht, sich in einer Baumöffnung zu verstecken. Und obwohl das Tier faucht, beißt und kratzt, hat „Crocodile Lonnie“ kein Problem damit, ihn da herauszuziehen.

Auf unserem Weg zurück ins Camp erleben wir einen spektakulären Sonnenuntergang. Die Natur ist hier fantastisch und wäre die erdrückende Hitze heute nicht gewesen, könnte man denken, man sei im Paradies. Nach dem Abendessen machen wir noch eine Tour mit dem Boot. Vielleicht entdecken wir ein paar Flusspferde oder Krokodile. Der Wind in unseren Gesichtern fühlt sich gut an und innerhalb weniger Minuten sind unsere feuchten und verschwitzen Klamotten getrocknet. Nach ungefähr zwanzig Minuten haben wir Glück und entdecken ein Zwergkrokodil in einem dunklen Mangrovensumpf. Bevor wir es überhaupt richtig realisiert haben, springt Lonnie in das dunkle Wasser und zieht – trotz der Gefahr, der es sich dabei aussetzt – das Zwergkrokodil mit seinen bloßen Händen in das Boot. Der Kerl ist unglaublich! Er lässt einen triumphierenden Schrei heraus und klettert zurück in das Boot. Wir freuen uns alle über „unseren Fang“ und kehren ins Camp zurück, wo wir ein halbstündiges Fotoshooting haben. Wir schätzen, dass wir zu diesem Zeitpunkt bereits fast 5.000 Fotos gemacht haben. Um 23.00 Uhr ziehen wir uns alle müde aber glücklich in unsere dampfenden Zelte zurück.

01.05.07 – DIENSTAG: AKAKA – LOANGO

Wegen der Hitze konnte niemand so richtig schlafen. Emmanuel steht um 3.00 Uhr auf und setzt sich ganz alleine auf die Plattform. Wie er später herausfinden sollte, war dies keine gute Idee. Bis zum Sonnenaufgang hört er in der Nähe merkwürdige Geräusche. Ist es ein Elefant, ist es ein Flusspferd? Alles ist möglich und nun muss er es aussitzen. Zurück zum Zelt und durch den Busch zu gehen, ist noch gefährlicher und kommt gar nicht in Frage. Also summt er Lieder vor sich hin, bis die ersten Lichtstrahlen erscheinen.

Um 5.30 Uhr steht der Rest des Teams auf. Der Wald auf der anderen Uferseite des Flusses sieht im nebeligen Morgenlicht spektakulär aus und wir machen viele Fotos. Um 7.00 Uhr essen wir unser Frühstück. Danach machen wir ein paar letzte Fotos von dem Krokodil, bevor wir es zurück in die Lagune lassen. Wir packen unsere Sachen, beladen das Boot und verlassen Akaka so gegen 8.30 Uhr. Wir haben hier wirklich eine tolle Zeit verbracht, aber nun sind wir neugierig auf die Dinge, die noch kommen werden.

Nach ein paar Minuten Fahrt haben wir erneut das Glück, ein Panzerkrokodil sehen zu können, das sich auf einem morschen Baumstamm sonnt. Wir wissen diese Zugabe zu schätzen, filmen eine Weile und machen Fotos. Gegen 10.00 Uhr sind wir zurück in der Loango Lodge, wo wir alle lange duschen, bevor wir uns zum Mittagessen versammeln. Einige nehmen sich auch die Zeit, ein wenig Wäsche zu waschen.

Auf der Terrasse der Lodge treffen wir Michael, einen Fotografen aus Südafrika und Uli, einen Journalisten, der für die deutsche Zeitschrift „Stern“ schreibt. Sie sind hierher gekommen, um einen Artikel über Gabun zu schreiben. Leider haben sie erst letzte Nacht von uns gehört, sonst hätten sie uns in Akaka besucht. Wir unterhalten uns eine Weile und nach den heißen Tagen und Nächten im Busch fühlen sich die leichte Brise vom Meer und das kalte Bier gut an.

Nach dem Mittagessen ändert sich das Wetter wieder und wir können sehen, wie eine enorme, graue Regenwand vom Süden her aufzieht. Innerhalb weniger Minuten wird die Welt schwarz und ein tosender Regen folgt. Dies macht automatisch unsere Pläne für den Nachmittag zunichte, da wir erst den Regen abwarten müssen. Auf dem Weg zurück von seinem Zimmer entdeckt Roland eine große Gruppe Graupapageien in einem Baum in der Nähe. Später am Nachmittag profitieren wir alle vom Satellitentelefon und Internetanschluss in der Lodge und telefonieren mit unseren Freunden oder der Familie oder beantworten E-Mails.

Den restlichen Nachmittag verbringen wir damit, Geschichten über Afrika und vergangene Reisen auszutauschen. Zum Abendessen gibt es leckeren Barrakuda. Um 21.00 Uhr ziehen sich die meisten zurück, da alle erschöpft sind. Nur Klaus und Guy bleiben noch eine Stunde länger wach und bei einer letzten Flasche Wein unterhalten sie sich.

02.05.07 – MITTWOCH: LOANGO – TASSI

Wir alle haben wie Babys in unseren klimatisierten Lodges geschlafen und fühlen uns voller Energie, als wir alle um 6.30 Uhr aufstehen. Heute werden wir nach Tassi fahren. Während des Frühstücks informiert uns Sandro, dass sich unsere Abfahrt verspäten wird, da ein Jeep im Matsch – verursacht durch den Regenguss gestern – fest hängt und erst herausgezogen werden muss. Wir nutzen die Gelegenheit, um Fotos von den Tieren zu machen, die wir mit uns gebracht haben, und auch von Sandros schwarzer Waldkobra.

Um 11.00 Uhr sind wir zur Abfahrt bereit und laden unser Gepäck in das Boot. Der Jeep wartet bereits auf der anderen Seite der Lagune. Da der Anhänger einen Platten hat, muss ein Kompressor von der Lodge hergebracht werden. Wir nutzen die Zeit und versuchen, einige Fotos von einem Schlammspringer zu machen. Dies stellt sich jedoch als nicht so einfach heraus, da diese Kerle schüchtern und schnell sind. Endlich sind wir bereit zur Abfahrt. Da in dem Wagen kein Platz mehr ist, muss Dimitry auf dem Anhänger sitzen. Wir können nur langsam fahren, da die Wege vollständig unter Wasser sind und wir manchmal den Eindruck haben, wir würden durch einen Fluss fahren.

Während der zweistündigen Fahrt durch die Savanne sehen wir eine riesige Herde Büffel und einen Jeep mit fünf Einheimischen, die für die Loango Lodge arbeiten und die das Camp für uns vorbereitet haben. Die Lage ist fantastisch und wir haben von überall einen weitläufigen Blick über die Savanne und den Wald. Unsere „Wohnzimmerplattform“ ist viel größer als die, die wir in Akaka hatten und auch in einem besseren Zustand. Dasselbe gilt für die Schlafzelte. Es gibt zusammen fünf Zelte und alle stehen ungefähr 150 Meter auseinander. In der Ferne können wir den Atlantischen Ozean sehen und hören. Die Küche ist außer Sichtweite von der Hauptplattform, aber wie in Akaka mit allem ausgerüstet, was wir brauchen. Wir packen unsere Rucksäcke aus und erkunden kurz unsere Unterkunft, in der wir die nächsten drei oder vier Nächte untergebracht sein werden. Auf dem Weg zum Zelt entdeckt Klaus in einiger Distanz zwei Gorillas. Aber sie sind zu weit entfernt.

Kurz danach starten Lonnie und Brian ihre erste Entdeckungstour. Da eine schöne Brise über die Savanne weht, sind die Temperaturen hier wunderbar und wir fühlen uns alle gut, voller Energie und sind neugierig herauszufinden, was sich hinter der nächsten Ecke befindet.

Beim Absuchen der Gegend sehen wir einen einzelnen Büffel, der aus dem Wald kommt. Roland geht auf eine der kleineren Waldinseln und entdeckt dort ein kleines Biotop mit einer netten Auswahl an Killifischen (Aphyosemion). Von seiner Tour zurück zeigt uns Lonnie ein paar schöne Bernsteinstücke, die er in der Nähe eines kleinen Baches gefunden hat.

Es ist Zeit für das Mittagessen. Wir essen Avocado mit Vinaigrette und Chili con Carne. Danach erholen wir uns ein bisschen und gegen 15.00 Uhr wandern wir in Richtung Ozean. Der Jeep folgt uns. Die Strecke ist einfach; aber wir müssen auf unserem Weg einen kleinen Fluss durchqueren und kommen dann endlich am Ozean an. Ein unberührter Sandstrand so weit das Auge reicht liegt vor uns und wir fühlen uns wie die ersten Forscher. Es ist jedoch erstaunlich, wie viel Strandgut wir finden. Vor einiger Zeit hat Michael J. Fay eine Initiative gegründet, um Teile des Strandes im Loango Nationalpark zu säubern. Wir finden hunderte Plastik- und Glasflaschen, Dosen, Quark- und Joghurtbecher aus allen Ecken der Welt. Wir trauen unseren Augen nicht, als wir sogar ein paar gebrauchte Spritzen finden, die ebenfalls an den Strand gespült worden sind. Es ist wirklich traurig, dass die Menschen sogar an solch einem unberührten und entlegenen Platz ihre Spuren hinterlassen haben!

Ein natürlicherer und schönerer Anblick sind die tausenden Geisterkrabben, die ohne Unterbrechung mit der Brandung kommen und gehen. Sie sind so schnell, dass es fast unmöglich ist, Fotos zu machen, um die Menge, die man hier finden kann, beweisen zu können. Wir spazieren ungefähr zwei Kilometer am Strand entlang. Dann sehen wir eine große Büffelherde im Nebel des Ozeans. In der Herde können wir auch drei Elefanten ausmachen. Aber wir sind zu weit weg, um gute Fotos machen zu können.

Auf unserem Weg zurück zum Auto finden wir uns ganz plötzlich Auge in Auge mit einem großen Waldelefanten wieder, der durch den Busch auf den Strand läuft. Wir sind nur etwa 80 m entfernt und können ein paar richtig gute Fotos machen. Dabei sind wir uns natürlich über die Gefahr bewusst, die diese Tiere darstellen. Anscheinend fressen sie eine spezielle Art halluzinativer Pflanzen, die sie noch unberechenbarer machen. Während wir uns das Tier genau anschauen, geht die Sonne langsam unter und uns überkommt ein unglaubliches Gefühl von Abgeschiedenheit von jeglicher menschlicher Existenz. Gegen 18.00 Uhr fahren wir zum Tassi-Camp zurück und beschließen ein wenig früher morgen zum Strand zurückzukehren. Dabei wollen wir das Auto zurücklassen. Wir hoffen, ein paar surfende Flusspferde sehen zu können.

Zurück im Camp nehmen wir alle eine Eimerdusche und versammeln uns wieder auf der Hauptplattform. Während wir mit einem erfrischenden Bier in unseren Strandkörben sitzen und auf das Abendessen warten, erscheint plötzlich ein Elefant aus dem Nichts und kommt bis auf 50 Meter an das Camp heran. Es ist eine Elefantenkuh und die Crew kennt sie bereits. Sie heißt Cruela und in der Vergangenheit hat sie bereits einmal die Camp-Küche angegriffen. Sie scheint an Menschen gewöhnt zu sein und wir können eine Menge Fotos machen. Wir trauen uns näher und näher, um noch bessere Fotos in der hereinfallenden Dunkelheit zu bekommen. Während des Abendessens und noch lange danach können wir die Präsenz des Tieres fühlen. Um 21.30 Uhr sind alle müde und gehen ins Bett.

Um 2.00 Uhr morgens werden einige von uns von den Blitzen und dem Donner eines enormen Gewitters geweckt, das von einem sturzflutartigen Regen gefolgt wird. Dies ist unser Schlaflied während der restlichen Nacht. Es wird uns auch bewusst, dass unsere Rückkehr zu der Lodge in Gefahr sein könnte, wenn es weiterhin so regnet.

03.05.07 – DONNERSTAG: TASSI

Das Camp wacht um 5.30 Uhr auf und die ersten, die auf der Plattform ankommen, sind Lonnie und Emmanuel. Als sie unserem „Wohnzimmer“ näher kommen, sind sie vollkommen überrascht. Ein Teil der Holzkonstruktion ist zerstört. Einige der Strandkörbe und eine Kühlbox sind von Elefantenstoßzähnen durchbohrt und Dosen liegen zerstreut auf dem Boden. Unsere Öko-Führer berichten, dass auch Teile des Küchengebäudes zerstört sind. Zum ersten Mal wird uns ernsthaft bewusst, wie gefährlich und zerstörerisch diese Elefanten sein können. Gegen 7.00 Uhr sitzen alle zusammen beim Frühstück, diskutieren die Geschehnisse und spekulieren, ob die Elefanten in der kommenden Nacht wiederkommen werden. Während des Frühstücks kehrt der Regen mit voller Stärke zurück und das Wasser läuft in Strömen vom Dach herunter. Eine Stunde später hört der Regenguss auf und um 8.30 Uhr sind wir bereit, auf unseren nächsten Ausflug zu gehen.

Lonnie und der Öko-Führer Dimitry bleiben zurück, da sie nach Gabunvipern suchen wollen. Der Rest springt auf den Jeep in der Hoffnung heute ein paar Elefanten und Gorillas zu sehen. Es dauert nicht lange und wir sehen die ersten Büffel und Rotflussschweine. Als wir das Auto verlassen, um ganz nahe Fotos zu machen, fängt es wieder an zu regnen. Zuerst regnet es nur ein bisschen, aber dann wird der Regen immer stärker und wir sind gezwungen, wieder ins Auto zu steigen.

Wir fahren weiter durch unberührte Wildnis und unsere Führer bringen uns zu einem Camp mit Primatenforschern: drei europäische Mädchen, die zusammen mit vier Einheimischen im Busch leben, um Gorillas und Schimpansen zu erforschen. Das Camp ist verlassen, da sie auf einer Exkursion sind. So haben wir genug Zeit, um einige Fotos von dem Camp zu machen. Es besteht aus 6 Schlafzelten, einigen groben Strukturen, in denen eine Bibliothek, ein Arbeitszimmer mit einem großen Tisch, auf dem Schädel und Knochen in allen Größen und Formen liegen, eine Küche mit dem Nötigsten, eine Toilette und ein „Duschhaus“ untergebracht sind. Draußen unter einem großen Baum steht ein weiterer Tisch, auf dem 18 Elefantenstoßzähne liegen, die zwischen 30 und 150 cm lang sind. Für uns ist es unfassbar, dass Menschen drei Jahre lang an solch einem Ort leben können und ihre Forschung betreiben. Hier muss man wirklich engagiert sein.

Wir bleiben ungefähr 20 Minuten und fahren dann weiter. Ungefähr 10 Minuten später sehen wir die nächste Büffelherde: insgesamt 16 Tiere mit drei Jungen. Kurze Zeit später treffen wir auf eine kleine Herde Sitatunga-Antilopen. Um näher an sie heranzugelangen, müssen wir eine kleine Waldinsel durchqueren. Es zahlt sich aus, durch den Busch zu kriechen: wir können ein paar richtig tolle Fotos von diesen schönen Tieren machen.

Um die Mittagszeit sind wir zurück im Camp. Lonnie hat einige Frösche gefangen. Auf seiner Exkursion mit Dimitry sind sie auf eine riesige Herde Rotflussschweine getroffen, die aus mindestens 150 Tieren bestand. Nach dem Mittagessen machen wir eine kleine Siesta, da wir eine große Wanderung für den Nachmittag geplant haben.

Wir sind alle wieder zusammen. Guy ist total frustriert, da seine Videokamera irgendwie nicht mehr funktioniert. Aber wir haben Glück: er hat noch eine Ersatzkamera, auch wenn diese nicht so gut wie die große ist. Um 15.30 Uhr verlassen wir das Camp mit dem Jeep und fahren ungefähr 6 Kilometer südlich des Camps in die Nähe des Ozeans. Unsere Führer werden uns an einem bestimmten Ort am Strand wieder abholen.

Popopo kommt mit uns und führt uns den ersten Kilometer durch einen kleinen Sumpf, gefolgt von dichtem Busch. Die Sonne ist nun wieder ganz da und es wird heiß, besonders weil heute keine Brise vom Ozean herüberkommt. Die Wanderung durch den Busch ist nicht ungefährlich, da wir jederzeit auf einen Elefanten treffen können. Und den Fußabdrücken und dem Kot nach zu urteilen, müssen viele in der Nähe sein. Wir schwitzen alle ganz enorm. Ganz plötzlich verlassen wir den Busch und erreichen den Strand. Es ist bereits ungefähr 17.00 Uhr und wir hoffen, viele Tiere sehen zu können.

An diesem einsamen Strand wandern wir die 5 km zurück. Dabei ist uns bewusst, dass nur wenige Menschen vor uns hier schon gelaufen sind. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich und wir sind alle ganz euphorisch, dass es solche Plätze noch gibt. Die ersten Elefanten lassen auch nicht lange auf sich warten. Die Gruppe besteht aus 5 Erwachsenen und einem Jungtier. Fast 30 Minuten lang kriechen wir in die Nähe der Tiere umher, um ein paar schöne Nahaufnahmen machen zu können. Schließlich verstecken wir uns hinter einem großen Baumstamm nur 30 oder 40 Meter von der Gruppe entfernt. Wir wissen, dass wenn sie uns entdecken, wir ein echtes Problem haben werden, besonders weil sie alles tun werden, um ihr Kleines zu beschützen.

Nachdem wir viele Fotos gemacht haben und Guy mit seinem Filmmaterial zufrieden ist, bewegen wir uns langsam zum Wasser zurück. Dabei sind wir uns über die Gefahr, der wir uns aussetzen, bewusst. Wir wandern weiter an dem leeren Strand und wieder dauert es nicht lange, ehe wir auf die nächste Elefantengruppe treffen. Wir machen wieder Fotos und filmen; aber nun hoffen alle, sie in der Brandung stehen zu sehen oder sogar ein paar Flusspferde surfen zu sehen. Als die Sonne hinter dem Horizont versinkt, sind wir zurück am Auto. Wir freuen uns über die kalten Getränke und beobachten einen spektakulären Sonnenuntergang an einem der entlegensten Plätze dieser Erde und am Rande des dunkelsten aller Kontinente. Gleichzeitig wird der Wind stärker und kühlt die Schweißperlen auf unseren Gesichtern. Vielleicht fühlt es sich so im Himmel an.

Während wir noch an der Küste stehen und das Leben genießen, betritt ein einzelner Elefant den Strand und erregt unsere Aufmerksamkeit. Es ist kaum zu glauben, aber es ist Cruela – derselbe Elefant, von dem wir glauben, dass er gestern Nacht unser Camp verwüstet hat. Wir haben alle eine komische Vorahnung; aber so schnell wie sie gekommen ist, dreht sie sich um und verschwindet wieder.

Zurück im Camp waschen wir den Sand ab und versammeln uns wieder auf der Plattform. Vor dem Abendessen macht Lonnie noch einen Spaziergang und bringt zwei große Panzerschildkröten mit zurück. Während des Abendessens besprechen wir den nächsten Tag. Morgenfrüh wollen wir vor dem Frühstück zum Strand zurückkehren, d.h. spätestens um 5.30 oder 6.00 Uhr. Heute Abend sind wir alle sehr müde. Lonnie geht bereits 20.45 Uhr ins Bett und der Rest folgt nur eine Stunde später. Wir freuen uns alle auf einen erholsamen Schlaf, machen uns allerdings doch etwas Sorgen, ob Cruela heute Nacht zurückkehren wird.

Um 1.15 Uhr wird Klaus von einem schwachen Geräusch geweckt. Der Blick aus dem Fenster auf seiner Seite gibt nichts Preis. Aber als er sich auf Brians Seite umdreht, sieht er, dass Cruela direkt neben ihrem Zelt steht. Ohne ein Geräusch zu machen, weckt er Brian auf und in dem Moment als er aus seinem Fenster schaut und sich überlegt, was er machen soll, schnüffelt der Elefantenrüssel bereits am Fenster. Instinktiv springt Brian auf die andere Seite. Beide sind völlig entsetzt. Wie in einem Horrorfilm schnüffelt das Tier am Fenster entlang und sucht nach ihnen. Während sie noch überlegen, was sie machen sollen, verschwindet der Rüssel plötzlich. Es folgt ein aufschlitzendes Geräusch und die Elefantenstoßzähne zerreisen die Zeltwand und Brians Matratze. Im selben Moment gibt Klaus einen Urschrei ab, der die Dunkelheit durchdringt und Emmanuel und seinen Vater weckt. Der Schrei erschreckt Cruela genug und sie tritt vom Zelt zurück. Allerdings nur ein paar Meter und dann grast sie weiter, als wäre nichts gewesen.

Innerhalb weniger Minuten ist das ganze Camp wach und wir jagen den Elefanten mit unseren starken Taschenlampen und lauten Schreien davon. Unsere Öko-Führer folgen dem Tier mit dem Jeep, bis Cruela im dunklen Wald verschwindet. Schließlich versammeln wir uns alle auf der Plattform und vergessen für einen Moment, wie müde wir sind. Wir können auf keinen Fall in unsere Zelte heute Nacht zurückkehren. Also beschließen wir, bis zum Morgen auf der Plattform zu bleiben und dann in die Lodge zurückzukehren. Dies war heute Nacht der endgültige Beweis, dass es nicht sicher ist, hier noch länger zu bleiben. Während der nächsten Stunden versuchen wir alle, noch ein wenig Schlaf zu bekommen, aber dies ist auf dem Holzfußboden oder in den Strandkörben nicht so einfach. Aber um 3.00 Uhr ist das Camp wieder leise und die Nacht hat wieder Ruhe über uns gebracht.

04.05.07 – FREITAG: TASSI – LOANGO

Mit dem ersten Licht sind wir alle auf; immer noch müde aber erleichtert, dass nichts Schlimmeres letzte Nacht passiert ist. Frühstück gibt es um 7.00 Uhr und natürlich haben wir nur ein Thema! Trotzdem beschließen wir noch einen Ausflug in Tassi zu machen, bevor wir am Nachmittag zur Lodge zurückkehren werden. Gegen 9.00 Uhr sind wir auf dem Weg in den dichten Wald. Wir haben immer noch die Hoffnung, eine Gabunviper zu finden. Während unserer zweistündigen Wanderung finden wir eine weitere Panzerschildkröte, einen riesigen Tausendfüssler, einen Holzkäfer und mehrere Frösche. Und wie schon so oft, werden sie aus allen erdenklichen Winkeln fotografiert und gefilmt.

Auf unserem Weg zurück nach Tassi fahren wir an einem einzelnen Büffel vorbei und machen auch hier viele Fotos. Kurz nach 12.00 Uhr sind wir zurück im Camp und wir müssen nicht lange warte, bis Makoy ein weiteres unvergessliches Mittagessen auf den Tisch zaubert. Heute haben wir Probleme, genug Gläser und Teller zu finden, da Cruela die meisten zerstört hat. Nach dem Mittagessen packen wir unsere Taschen und um 13.30 Uhr fahren wir zurück zu der Lodge. Gegen 15.00 Uhr kommen wir an der Fähre an. Kurze Zeit später trinken wir ein schönes kaltes Bier auf der Terrasse der Lodge.

05.05.07 – SAMSTAG: LOANGO

Wir haben alle sehr gut geschlafen – ohne Angriffe von Nagetieren oder Elefanten. Um 7.00 Uhr sitzen wir alle um den Frühstückstisch. Wir treffen René aus Hamburg. Er ist ein Wanderzimmermann und ist seit zweieinhalb Jahren auf der Walz und hat viele unglaubliche Geschichten im Gepäck. Nach dem Frühstück waschen einige ihre Wäsche und um 8.45 Uhr ist unser Boot bereit zur Abreise.

Unsere Öko-Führer sind heute Dimitry und Sandro, dem wir den Spitznamen “der große weiße Jäger” gegeben haben, da wir denken, dass er eher ein Mann der Worte ist. Wir überqueren die Lagune und gehen an einer Stelle an Land, von der Dimitry weiß, dass hier einige Krokodile nisten. Alles was wir jedoch finden, sind einige zerbrochene Eierschalen und einen Krokodilzahn. Auf der Wanderung durch den Dschungel erzählt Sandro Geschichten über Blasenkäfer, die ihren Urin zur Verteidigung benutzen. Der Urin ist fast genauso aggressiv wie Salzsäure und kann riesige Blasen verursachen – daher der Name. Dimitry erklärt, dass die unteren Schichten des Waldbodens reich an Nährstoffen und Mineralien sind und einen vor dem Hungertod schützen können, im Falle dass man sich im Wald verlaufen hätte.

Unser erster Fund ist heute ein Schädel und ein Schlüsselbein von einem Schimpansen. Wir machen von allen Seiten Fotos. Dimitry hebt sie vorsichtig mit einem Ast auf und tut sie in einen Plastikbehälter. Dabei gibt er Acht, sie nicht zu berühren. Die Angst vor Ebola ist überall in Afrika groß und man erzählt uns, dass es vor vier Monaten einen Fall im Norden Gabuns gegeben hat, der jedoch sehr schnell isoliert werden konnte.

Wir setzen unsere Wanderung schnellen Schrittes fort und finden mehrere Frösche, einen Gecko, eine wunderschöne Panzerschildkröte und eine große Vogelspinne. Die Vogelspinne würden wir gerne mit zurück ins Camp nehmen, um noch mehr Fotos zu machen, aber es stellt sich als nicht so einfach heraus, sie zu fangen. Auf dem Rückweg zum Boot treffen wir noch auf eine Büffelherde.

Um 12.30 Uhr sind wir zurück im Camp. Wir essen zu Mittag und erholen uns ein bisschen. Um 15.30 Uhr sind wir bereit für eine neue Exkursion mit dem Boot. Diesmal möchte Dimitry uns einen Platz in der Lagune zeigen, wo er Flusspferde zu finden meint. Guy bleibt in der Lodge, da es seinem Magen nicht so gut geht. Nach nur 10 Minuten sehen wir die ersten Flusspferde. Da sie nur für ein oder zwei Sekunden an die Oberfläche kommen und erneut an die Oberfläche kommen, wo man sie nicht vermutet, ist es äußerst schwierig, gute Fotos von ihnen zu machen.

Es ist ein wundervoller Nachmittag und wir genießen alle den Wind auf unseren Gesichtern. Nachdem wir die Flusspferde verlassen haben, treffen wir nun auf einen einsamen Elefanten, der in der Nähe des Ufers weidet. Wir machen den Motor des Bootes aus und können ein paar großartige Nahaufnahmen machen. Der Elefant reagiert darauf aggressiv und trompetet mit voller Kraft und schlägt mit seinen großen Ohren dazu.

Nachdem wir ganz viele Fotos gemacht haben, ändern wir die Richtung und fahren zurück in Richtung Lodge. Wir sehen wieder zwei Elefanten. Einer davon trägt ein Sendegerät um seinen Hals. Wir filmen und machen wieder Fotos. Dann ist es an der Zeit, zur „Flusspferd-Bucht“ zurückzukehren. Wir gehen einfach davon aus, dass wir kurz vor Sonnenuntergang mehr Flusspferde als vorhin sehen werden.

Und wir haben Glück! Wir zählen vier oder fünf Tiere und manchmal bleiben sie sogar länger als 15 Sekunden über Wasser – genug Zeit also, um gute Fotos und Filme zu machen. Zur selben Zeit geht die Sonne in unglaublichen Farben unter. So nahe an diesen wilden Tieren und in solch einer unvergesslichen Kulisse, ist es wahrlich ein magischer Moment! Als es zu dunkel wird, um noch zu fotografieren, drehen wir den Motor des Bootes hoch und kehren zur Lodge zurück. Dabei kühlt die wundervolle Brise unsere verschwitzte Kleidung. Das Abendessen wird heute um 20.30 Uhr serviert und um 22.00 sind alle von uns im Bett.

Morgen wir ein langer und harter Tag.

06.05.07 – SONNTAG: LOANGO – IVINDO

Um 6.20 Uhr frühstücken die ersten Teammitglieder, da die Abfahrt für 8.00 Uhr geplant ist. Rick, unser “stummer” Pilot, sitzt am Tisch nebenan und bemerkt uns kaum. Wir haben alle ein komisches Gefühl, denn er wird derjenige sein, der uns zwei Stunden lang über den Urwald fliegen wird. Kurz vor 8.00 Uhr verabschieden wir uns von Sandro, unseren großartigen Öko- Führern Jonas, Dimitry, Popopo und Makoy und den Obern in der Lodge. Wir fragen uns alle, ob wir diesen Ort jemals wieder sehen werden.

Um 8.10 Uhr startet unser Flugzeug in Richtung mittleres, östliches Gabun. Und wir sitzen in diesem Pilatus-Flugzeug, das Klaus “Bananenflieger” nennt, wieder wie die Sardinen in der Büchse. An diesem Morgen ist es wolkig und der Flug dauert etwa zwei Stunden. Jedes Mal wenn sich die Wolkendecke öffnet, sehen wir unberührten Regenwald so weit das Auge reicht, der nur manchmal von kleinen Flüssen oder einem See unterbrochen wird. Wie immer nutzen wir jede Gelegenheit, Fotos von diesem fantastischen Land zu machen.

Unsere Landung in Ivindo ist ganz schön holprig und wir sind froh, zurück am Boden zu sein. Die Landebahn ist eine einfache Schotterstrasse, die aus dem Wald geschlagen wurde. Und in dem Moment, in dem Rick das Kabinendach öffnet, werden wir von nächste, was wir bemerken, ist die veränderte Temperatur. Hier ist es nicht so heiß wie in Loango, weil wir in etwa 400 m Höhe hier höher liegen.

Die kleine Gemeinde Ivindo befindet sich ungefähr 20 Minuten vom Flugfeld entfernt und wir warten geduldig auf den Jeep, der uns so dicht wie möglich an die Langoué Bucht heran bringen wird. Als der Jeep ankommt, wird uns bewusst, dass wir in dem Auto wahrscheinlich noch weniger Platz haben werden, als wir im Flugzeug hatten. Der Fahrer ist ein einheimischer Gabuner und sein einziger Passagier ist Engländer. Beide arbeiten für den WCS (Wildlife Conservation Society). Der Engländer heißt uns in Ivindo willkommen und erzählt uns gleichzeitig, dass sie eine Denguefieber-Epidemie haben und dass er mit dem Piloten zum Krankenhaus in Lopé zurückkehren wird.

Dies gibt uns allen ein gutes Gefühl und nachdem das Flugzeug abgeflogen ist, packen wir unser Gepäck in den Wagen und quetschen uns dann hinein. Vier Leute sitzen hinten und drei vorne. Die Fahrtzeit beträgt 2 ½ Stunden. Es geht über Schotterstraßen und notdürftig aufgebaute Brücken tiefer und tiefer in den unberührten Regenwald hinein. Die ganze Zeit haben wir den Eindruck, als ob wir durch einen grünen Tunnel fahren würden; besonders da die Strasse gerade für ein Auto breit genug ist. Nach einer Biegung stoßen wir auf eine kleine Büffelherde und müssen geduldig warten, bis sie den Weg überquert haben. Es ist eine unbequeme Fahrt. Dann endet die Straße und wir finden uns an einer kleinen Holzhütte wieder, wo wir von Louise aus Yorkshire in England und zwei Öko-Führern, Alain und Joseph, empfangen werden. Sie arbeiten alle für den WCS und werden in den nächsten vier Tagen unsere Gastgeber sein. Wir strecken unsere Beine aus, nehmen unser Gepäck und lassen alles, was wir nicht brauchen, im Auto, da wir von hieraus alles, was wir brauchen, selbst tragen müssen.

Nachdem das Auto wieder abfahren ist, werden uns Getränke angeboten – eine Aufmerksamkeit des WCS. Dann beginnen wir unsere Wanderung in Richtung der Langoué Bucht. Die erste Stunde ist besonders schwierig, da es steil bergan geht. Nach ein paar Minuten im Wald sind wir komplett durchgeschwitzt. Wir wandern recht schnell, da wir die Strecke in ca. drei Stunden zurückgelegt haben müssen. Um ca. 16.00 Uhr erreichen wir das Camp des WCS ohne größeren Zwischenfall.

Bei unserer Ankunft lassen wir unser Gepäck auf den Boden fallen und da wir total dehydriert sind, genießen wir die eisgekühlten Getränke. Dann schauen wir uns unser Zuhause für die nächsten paar Tage genauer an. Der Platz des Campes wurde von Michael Fay entdeckt. Er besteht hauptsächlich aus flachen Felsen und Schiefer. Dies ist besonders während der Regenzeit ein großer Vorteil. In einem Holzhaus ist das Büro untergebracht. In einer separaten Küche gibt es Kühlschränke und einen großen Gasherd und ein großes Gebäude dient als Wohn- und Esszimmer. Wir trauen fast unseren Augen nicht, besonders als wir das Duschhaus und den separaten Toilettenschuppen mit Klärtank darunter entdecken. Außerdem sind die Schlafzelte die besten und die größten, die wir bisher gehabt haben. Obwohl alles ganz schön einfach ist, erscheint es uns immer noch luxuriös, wenn man in Betracht zieht, dass wir uns an einem der abgelegensten Plätze Afrikas befinden.

Wir bringen unser Gepäck in die Zelte, machen uns mit dem Camp vertraut und kurze Zeit später gibt es Mittagessen. Nach der Wanderung sind wir hungrig wie Wölfe. Aber unser Mittagessen ist – bestehend aus einem gemischten Salat und einem Omelett – nur leicht und damit kaum genug, um unseren Hunger zu stillen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir nicht auf einer Wellness-Reise sind.

Den restlichen Nachmittag verbringen wir auf “dem Felsen”, wie wir unser neues vorläufiges Zuhause nennen, da wir das Camp nicht alleine verlassen dürfen. Vollkommen lächerlich! Aber da wir gerade erst angekommen sind, wollen wir nicht gleich anfangen, zu streiten. Vielleicht wird Louise in den nächsten paar Tagen noch entspannter. Nichtsdestotrotz schlendern wir einige Zeit an der Grenze zum Dschungel entlang, aber können nichts besonders entdecken, von dem es sich lohnen würde, Fotos zu machen, außer dem Camp selbst.

Als es dunkel wird, entdecken wir eine relativ große Zibetkatze hinter unserem “Esszimmer” und wir können einige gute Fotos machen.

Die Zibetkatze liebt Kaffeebeeren und wenn sie sie essen, verdaut die Zibet nur die Frucht und scheidet die eigentliche Kaffeebohne wieder aus. Man glaubt, dass die Zibetkatze weiß, wie reif diese Beeren sind und sie fressen die Beeren nur, wenn sie genau richtig sind. Also kann man mit Sicherheit annehmen, dass die Kaffeebohnen in diesen Beeren ebenfalls die besten sein werden. Man glaubt auch, dass die Enzyme im Magen der Zibetkatzen zu dem Geschmack des Kaffees beitragen, indem sie die Proteine abbauen, die dem Kaffee seinen bitteren Geschmack geben. In vielen Ländern im Süden Asiens wird dieser Kot der Zibetkatze gesammelt, verarbeitet und auf dem internationalen Markt verkauft. Da es schwierig ist, diesen Kot zu finden, werden jährlich nur 500 kg dieser Kaffeesorte weltweit produziert. Dies macht es zu einer der “seltensten” und “teuersten” Kaffeesorte der Welt.

Um 20.30 Uhr essen wir zu Abend und befragen Louise und Alain über Langoué, wo wir morgen früh hingehen wollen. Die Langoué Bucht ist anscheinend ein Platz von unvergleichlicher Schönheit. Sie befindet sich im Herzen von Gabuns Regenwald. Hier könnten wir die Gelegenheit haben, weidende Waldelefanten gleichzeitig neben Flachlandgorillas, Sitatunga-Antilopen und Büffeln zu sehen.

Obwohl wir jetzt nur noch aufgeregter werden, diesen Ort zu sehen, sind wir alle um 22.00 Uhr müde und ziehen uns in unsere Zelte zurück. Die Nacht ist kurz.

07.05.07 – MONTAG: IVINDO

Um 6.00 Uhr stehen wir bei wolkenfreiem Himmel auf. Frühstück gibt es um 6.30 Uhr und um 7.30 Uhr sind wir abmarschbereit für unsere Wanderung zur Langoué Bucht. Von unserem derzeitigen Camp bis zur Langoué Bucht ist es ein Zwei-Stunden-Marsch und um 9.30 Uhr erreichen wir die Plattform. Die Bucht ist eine Verniedlichung für eine Waldlichtung, die ungefähr 1 km lang und 300 m breit ist und aus nährstoffreichem, salzhaltigem Boden besteht, der Waldtiere aus dem Dickicht lockt, wie wir unbemerkt von unserer Aussichtsplattform oben in dem Baumwipfeln beobachten können. Die Langoué Bucht wurde ebenfalls von Michael J. Fay während seiner Megatransect-Wanderung durch Zentralafrika entdeckt.

Louise und unsere Öko-Führer haben Sandwichs, Kaffee, Tee und Getränke mitgenommen, da wir fast den ganzen Tag hier verbringen werden. Auch hier ist es wieder strengstens untersagt, sich irgendwohin, auch nicht zur Toilette, ohne einen Führer zu bewegen. Wir bleiben auf der Plattform bis 14.30 Uhr, als es wirklich sehr heiß wird. Heute sehen wir Elefanten, Sitatungas und Rotflussschweine. Während der Zeit auf der Plattform passiert nicht viel, und man kann buchstäblich das Gras wachsen hören. Auf unserem Weg zurück ins Camp stoßen wir auf eine Gruppe Affen, einen Skink, eine Schlange und einen großen Tausendfüßler.

Gegen 16.30 Uhr sind wir zurück – komplett durchgeschwitzt und durstig wie Pferde. Plötzlich entdeckt Klaus eine große Beule unter seinem Knie und hat Probleme beim Gehen. Der untere Teil seines Beines ist total rot und heiß und scheint entzündet zu sein. Wir nehmen an, dass entweder ein Insektenstich oder ein Knochensplitter die Ursache hierfür ist. Wir geben ihm ein entzündungshemmendes Medikament und empfehlen, dass er das Bein mindestens 24 Stunden nicht belasten, da wir sicherstellen müssen, dass er in drei Tagen hier herausgehen kann.

Den restlichen Nachmittag verbringen wir im Camp und tauschen Geschichten aus. Roland angelt in dem kleinen Bach in der Nähe des Camps und kommt mit vielen verschiedenen Killifischen wieder.

Es könnte sein, dass er sogar eine neue Art entdeckt hat. Aber dies werden wir erst zu Hause feststellen können. Gegen 20.00 Uhr gibt es Abendessen. Die Stimmung ist ein bisschen angespannt, da wir mit den Vorschriften hier nicht glücklich sind. Louise und unsere Führer merken unseren Unmut. Nach dem Abendessen beschließt Emmanuel dies zu klären und wir haben eine lange Diskussion mit Louise. Emmanuel erklärt, dass wir bereits einige dieser Exkursionen gemacht haben und dass wir nicht das erste Mal durch den Dschungel wandern. Wir wollen nicht viel; nur dass wir auch außerhalb des Camps – und natürlich mit einem Führer - herumstreunen dürfen. Louise hat zuerst ein wenig Angst, da wir hier so abgeschieden sind; aber schließlich lenkt sie ein. Gegen 22.30 Uhr verschwinden wir alle in unsere Zelte.

08.05.07 – DIENSTAG: IVINDO

Letzte Nacht haben wir alle ganz gut geschlafen und um 6.30 Uhr treffen wir uns alle zum Frühstück. Klaus’ Bein ist nicht besser geworden. Also darf er heute nirgendwo hinwandern. Da es keine Eiswürfel im Camp gibt, hat er ein nasses Handtuch in die Halb-Gefriertruhe getan, das er später auf sein Bein legen wird, um die Entzündung zu beruhigen.

Der Rest geht gegen 8.30 Uhr auf eine Exkursion in den Wald; aber immer noch in der Nähe des Camps. So wandern wir für die nächsten drei Stunden. Gegen 9.00 Uhr ist die Hitze bereits fast genauso drückend wie in Akaka. Nichtsdestotrotz haben wir heute Glück. Wir finden einen Frosch und höchstwahrscheinlich eine neue Geckoart. Es ist ein hübsches Weibchen und wir können uns nur vorstellen, wie das Männchen dazu aussehen muss. Gegen 12.30 Uhr gibt es Mittagessen und wir erholen uns ein bisschen. Die Hitze ist enorm und die Luft steht. Es ist, als ob die gesamte Natur still steht. Heute scheint jeder ein wenig erschöpft zu sein. Sogar Roland, der wegen seines „Kamera-Syndroms“ niemals lange still sitzen kann, hat sich in sein Zelt zurückgezogen. Emmanuel ist ganz von Moskitostichen übersäht, aber scheint sie nicht wahrzunehmen. Gegen 16.00 Uhr kommt eine leichte Brise auf und die schlimmste Hitze des Tages ist vorüber.

Wir hängen wieder im Camp herum und tauschen Geschichten über vergangene Abenteuer aus. Um 20.00 Uhr gibt es Abendessen und wir merken eine gewisse Abneigung zwischen Louise, Alain und den restlichen Einheimischen. Wir vermuten, dass Louise eine Affäre mit Alain hat und dass dies zu den Spannungen im Camp führt. Um 22.00 Uhr sind wir alle hundemüde von der Wanderung und der Hitze. Wir laufen nun alle ohne Unterbrechung seit 2 ½ Wochen und merken langsam die Auswirkungen. Auf unserem Weg in die Schlafzelte haben wir Vollmond und einen wunderschönen Sternenhimmel, den man nur an Plätzen wie diesem sehen kann – weitab von der Zivilisation.

09.05.07 – MITTWOCH: IVINDO

Dank der kühlen Nacht hatten wir alle einen erholsamen Schlaf. Um 6.00 Uhr haben wir jedoch bereits Frühstück. Dies ist unser letzter Tag in diesem Camp, bevor wir in die richtige Welt zurückkehren. Klaus’ Bein tut immer noch weh, ist aber nicht mehr entzündet und mit ein bisschen Glück kann er es morgen aus dem Busch schaffen.

Wir hätten gerne eine Nacht auf der Aussichtsplattform in der Langoué Bucht verbracht, aber Louise erlaubt uns dies nicht. Heute versuchen wir wieder, sie zu überzeugen, das Camp früher zu verlassen, damit wir eine größere Chance haben, Gorillas zu sehen. Aber sie hält an ihrem persönlichen Zeitplan fest. Kein Abmarsch vor 7.30 Uhr weil es sonst im Wald zu dunkel ist! Wir denken alle, dass sie einfach nur auf einem Ego-Trip ist.

Um 8.00 Uhr sind wir auf unserem Weg zurück zur Langoué Bucht, um Gorillas zu sehen. Dies ist die letzte Gelegenheit. Wir gehen schnell und erreichen die Plattform kurz vor 9.00 Uhr. Und wir haben Glück. Ein einzelner Gorilla ist noch am Fluss und es gelingt uns, viele Fotos zu machen, bevor er wieder im Wald verschwindet. Wir sind uns ganz sicher, dass sich hier früher am Morgen noch mehr Gorillas befunden haben, aber sie ziehen sich in der Regel in den Wald zurück, wenn die Sonne aufgeht. Am Himmel hängt keine Wolke und es wird heute wieder eine Bullenhitze werden. Um 11.30 Uhr essen wir ein leichtes Mittagessen und kurz nach 12.00 Uhr beschließen wir, zum Camp zurück zu kehren, wo wir eineinhalb Stunden später eintreffen.

Gegen 15.30 Uhr ist die schlimmste Hitze vorüber und wir setzen uns in den Pavillon und unterhalten uns dort. Einer nach dem anderen nimmt eine Dusche und fühlt sich danach ein bisschen erfrischter. Nachdem die Sonne hinter den Bäumen verschwunden ist, ziehen riesige schwarze Wolken auf. Wir brauchen eigentlich keinen tropischen Regenguss mehr, da dies unsere Rückkehr nach Ivindo morgen schwieriger gestalten würde. Während wir in dem Pavillon sitzen, entdecken wir einen Colubusaffen in einem Baum in der Nähe und schaffen es sogar, ihn zu filmen und Fotos zu machen.

Gegen 18.00 Uhr wird es dunkel und kurze Zeit später legt sich die Nacht über das Camp. Dies wird unsere letzte Nacht im Dschungel sein. Plötzlich entdecken wir einen Skorpion im Pavillon. Wir springen alle auf, um zu unseren Kameras zu gelangen. Es ist ein relativ kleines Tier, aber zweifellos äußerst gefährlich. Wir machen aus jedem Winkel Fotos, bis wir zum Abendessen gerufen werden. Jetzt ist auch die Feuchtigkeit in das Camp zurückgekehrt und wir sind alle durchgeschwitzt. Gegen 22.00 Uhr gehen wir alle zurück in unsere Zelte und packen, da wir das Camp morgen in aller Frühe verlassen werden.

10.05.07 – DONNERSTAG: IVINDO – LIBREVILLE

Aufgrund der Hitze in der letzten Nacht, haben die meisten nicht gut geschlafen und um 5.30 Uhr ist bereits jeder wach. Wir frühstücken um 6.00 Uhr und verlassen das Camp um 7.00 Uhr. Wir müssen schnell gehen, da wir an einem bestimmten Treffpunkt um 9.00 Uhr abgeholt werden. Klaus’ Bein tut immer noch ein bisschen weh, aber er ist zuversichtlich, dass er es ohne Probleme zurück schaffen wird. Gegen 8.00 Uhr dampft der Wald und wir schwitzen alle wie die Pferde, besonders da wir unser Gepäck auf unseren Rücken tragen müssen. Auf unserem Weg zurück überqueren eine Rotflussschweinherde, ein schöner Tausendfüßler und ein rabenschwarzer, 24 cm langer Kaiserskorpion unseren Weg.

Um 9.15 Uhr sind wir aus dem Wald heraus und Nigel wartet bereits auf uns. Er kommt aus England und ist für den WCSEinsatz in Ivindo verantwortlich. Laut ihm wäre es kein Problem gewesen, eine Nacht auf der Plattform in der Langoué Bucht zu verbringen, wenn wir nur ihn vorher gefragt hätten. Wir versuchen, all unser Gepäck in den kleinen Wagen zu stopfen, verabschieden uns von Louise, Alain und Joseph und quetschen uns alle für die zweieinhalbstündige Rückfahrt zur Ivindo Station in das kleine Auto.

Um 11.30 Uhr kommen wir an Nigels Haus gegenüber dem Bahnhof an. Ivindo ist ein Waldcamp und das Tor zum Ivindo Nationalpark. Das kleine Dorf hat nur ca. 200 Einwohner und die meisten davon sind Gabuner. Es ist alles sehr einfach, aber nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass wir am Ende der Welt sind. In Nigels Haus werden wir zuerst von einem Gelbrücken-Dyker, einer Antilopen-Art, begrüßt, den er als Haustier hält. Da wir nach der Wanderung durch den Wald alle total durchgeschwitzt sind, lädt uns Nigel ein, dass wir uns in seinem Haus frisch machen dürfen. Als wir sein Haus betreten, sind wir alle begeistert, wie schön dies ist. Das Haus ist natürlich klimatisiert und wir fühlen uns alle nach dem Duschen wie neugeboren. Unser Gastgeber hat sogar Mittagessen für uns vorbereitet und der Tisch ist bereits gedeckt. Wir können unser Glück kaum glauben und genießen die eiskalten Biere in einem klimatisierten Gebäude.

Kurz nach 13.00 Uhr machen wir uns fertig und gehen zum Bahnhof, wo wir Nigel für seine Gastfreundlichkeit danken. Der Zug hat eine Stunde Verspätung. Wir nutzen die Gelegenheit und sprechen mit einigen Einheimischen, machen Fotos von dem Bahnhof und dem Dorf. Wenn nicht die ganzen Gabuner hier herumstehen und uns neugierig beäugen würden, würde uns die Kulissen an einen Wild- West-Film erinnern.

Vor vielen Jahren hat Präsident Bongo diese Bahnstrecke als Prestigeprojekt für ungefähr eine Milliarde Euro hier bauen lassen. Sie verbindet Franceville im Südosten Gabuns mit Libreville im Nordwesten. Dies ist eine Strecke von ca. 800 km und es fahren nur drei Züge pro Woche, davon zwei in der Nacht. Heutzutage ist alles ganz schön heruntergekommen, besonders die Wagons der Züge.

Nichtsdestotrotz freuen wir uns auf eine schöne, entspannende Zugfahrt, werden aber schnell enttäuscht, als wir unser Abteil betreten. Obwohl die Sitze bequem sind, ist der Wagon doch dreckig und baufällig und wir können nicht mal aus dem doppelt verglasten Fenster schauen. Erstens sind sie von außen total schmutzig und sind höchstwahrscheinlich eine Ewigkeit nicht gereinigt worden. Dann hat sich zwischen den Glasscheiben Kondenswasser von der Klimaanlage angesammelt. Also ist es fast unmöglich auch nur irgendetwas zu sehen. Dies ist schade, da uns die Zugfahrt durch einige der spektakulärsten Regionen auf dieser Seite Gabuns führen wird.

Endlose 7 Stunden später kommen wir abgekämpft und müde in Libreville an. Die Klimaanlage ist kurz nach unserer Abfahrt ausgefallen und wir sind wieder durchgeschwitzt, durstig und glücklich, den Zug verlassen und frische Luft bekommen zu können. Es ist jetzt 21.30 Uhr und der Bahnhof versinkt im Chaos. Die Polizei überprüft jeden, der mit den Zug ankommt und wir müssen sogar unsere Pässe ausgraben. Gott sei Dank sind die beiden Mädchen von der „Operation Loango“ pünktlich und wir werden schnell zum Auto gebracht. Wir quetschen uns hinein und fahren dann wie der Teufel zurück ins Tropicana, wo wir kurz nach 22.00 Uhr ankommen.

Wir checken in unsere Zimmer ein, lassen unser Gepäck fallen und versammeln uns wenige Minuten später im Restaurant. Hier wird heute Abend Live-Musik gespielt und wir haben Glück, dass die Küche noch nicht geschlossen hat. Wir genießen einige kalte Getränke, eine leckere Mahlzeit und die frische Brise vom Ozean – besonders nach den vielen Stunden im Zug. Kurz nach Mitternacht ziehen wir uns in unsere Zimmer zurück. Es war eine lange und anstrengende Reise, nachdem wir heute Morgen aufgestanden sind.

11.05.07 – FREITAG: LIBREVILLE

Wir haben alle gut in unseren klimatisierten Zimmern geschlafen und wachen bei einem wunderschönen Sonnenaufgang und einem blauen Himmel auf. Und wieder einmal hat es Brian und Klaus getroffen. Sie sind beide mit Insektenstichen übersäht und wir nehmen an, dass sie Flöhe in ihren Betten hatten. Außerdem sind die Matratzen in ihrem Zimmer so alt, dass sie in der Mitte durchhängen. Klaus spricht mit dem Manager und kurze Zeit später werden ihre Matratzen durch neue ersetzt und ein Insektenbekämpfungsmittel wird in ihrem Zimmer großzügig verteilt. Die Menge des verteilten Insektenbekämpfungsmittels hätte wahrscheinlich gereicht, um einen Elefanten zu töten.

Gegen 8.00 Uhr frühstücken wir und diskutieren unsere finanzielle Situation. Das Problem ist, dass wir nicht genug Bargeld haben. Niemand akzeptiert hier Kreditkarten – noch nicht einmal das Hotel. Nach Stunden des Suchens in Libreville nach einem Geldautomaten und einer Western Union Geldanweisung aus Belgien haben wir wieder Geld. Der Tag erweist sich als sehr drückend und heiß und so verbringen wir den Nachmittag im Pavillon und schauen den Wellen zu. Emmanuel verbringt Stunden im Wasser und seine Haut ist total runzelig, als er endlich wieder herauskommt.

Dann wird es ganz plötzlich dunkel und Blitze erhellen den Himmel, gefolgt von heftigem Donnergrollen. Und dann, wie schon so oft davor, öffnet sich der Himmel und der Regen verwandelt sich in eine Sinnflut. Wir essen kurz nach 20.00 Uhr zu Abend und gehen alle um 23.00 Uhr ins Bett. Kurz bevor sie sich zurückziehen, hat Brian noch eine Dose mit Insektenbekämpfungsmittel im Zimmer verteilt und wir fragen uns alle, ob Klaus und er am nächsten Morgen noch aufwachen werden.

12.05.07 – SAMSTAG: LIBREVILLE

Heute ist unser letzter Tag in Afrika. Wir haben alle gut geschlafen und freuen uns, Klaus und Brian lebendig wieder zu sehen. Wie erwartet, wurde von keinem weiteren Insektenstich berichtet. Um 7.30 Uhr frühstücken wir und planen, was wir am Tag machen werden. Wir stimmen alle darin überein, dass wir einen letzten Ausflug in den Dschungel machen wollen. Gegen 9.30 Uhr haben wir zwei Taxis mit Fahrern organisiert, darunter unseren alten Freund Claude, und befinden uns auf dem Weg in den Dschungel vor den Toren Librevilles. Die Fahrt über die Schotterstraßen mit riesigen Schlaglöchern dauert knapp eine Stunde. Da die Autos nicht klimatisiert sind, fühlen wir, wie ein weiterer heißer Tag heraufzieht.

Nach fünf Minuten im Busch sind wir bereits wieder durchgeschwitzt. Unsere Exkursion dauert ungefähr zwei Stunden und wir können es kaum glauben, wie viele Tiere wir so nahe an der Hauptstadt finden, z.B. zwei Geckos (wahrscheinlich sogar neue Arten), einen Skink, drei verschiedene Frösche, eine Kröte und eine wunderschöne orangefarbene Landkrabbe, einige Killifische und einen Wels. Nicht schlecht für eine kleine Exkursion, besonders wenn die Erwartungen nicht so hoch sind.

Um 13.00 Uhr sind wir wieder aus dem Wald raus – mit trockenen Kehlen aber glücklich über die heutige Ausbeute. Dies wäre jedoch auch unsere letzte Chance gewesen, einige Chamäleons zu sehen – das einzige Reptil, welches wir während der gesamten Expedition nicht ein Mal gesehen haben. Zurück im Hotel stillen wir zuerst unseren Durst mit eiskalten Getränken und nehmen dann alle eine Dusche in unseren Zimmern und rasieren dann alle unsere zwei Wochen alten Bärte ab. Als wir uns wieder treffen, sehen wir wie neue Menschen aus. Den restlichen Nachmittag entspannen wir uns alle in dem Pavillon. Nun freuen wir uns auch, am nächsten Tag heimzufahren. Der Himmel ist wolkenfrei und wir genießen einen letzten spektakulären Sonnenuntergang in Gabun. Abendessen gibt es um 20.30 Uhr und um 23.00 Uhr gehen wir alle ins Bett.

13.05.07 und 14.05.07 – SONNTAG/MONTAG: LIBREVILLE – PARIS

Letzte Nacht hat es wieder stark geregnet und wir sind alle früh wach. Nach dem Frühstück packen wir unser Gepäck und bereiten uns auf unsere letzte Abfahrt vor. Der Sonntags-Bruch ist im Tropicana legendär und wir genießen das leckere Fisch-Mittagessen. Der Nachmittag ist lang und will gar nicht zu ende gehen. Und wir sollen doch erst um 20.00 Uhr abgeholt und zum Flughafen gebracht werden. Von hier aus werden wir zurück nach Europa und Amerika reisen.

Wir nutzen die Zeit, zu entspannen und um die gesamte Reise zu rekapitulieren. Es war für alle eine großartige Erfahrung und wir nehmen alle einige unvergessliche Erinnerungen aus einem Land mit uns, das immer noch die Natur verkörpert, wie sie einmal war, „am Rande eines Kontinents, wo die Zeit still zu stehen scheint“.

 
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3. Entdeckung einer bis dato unbekannten Art während der Exo Terra Expedition