Expedition 2005 - Uganda / Der Reisebericht

Expedition Banner

Reiseplan

01. Tag – 5. Dez.: Brüssel - Entebbe
02. Tag – 6. Dez.: Kisubi – Kibale Forest
03. Tag – 7. Dez.: Kibale Forest & Bigodi Swamps
04. Tag – 8. Dez.: Kibale Forest – Rwenzori Mountains
05. Tag – 9. Dez.: Rwenzori Mountains
06. Tag – 10. Dez.: Rwenzori Mountains
07. Tag – 11. Dez.: Rwenzori Mountains - Maramagambo Forest
08. Tag – 12. Dez.: Maramagambo Forest
09. Tag – 13. Dez.: Maramagambo Forest– Ishasha
10. Tag – 14. Dez.: Ishasha – Bwindi Impenetrable Forest
11. Tag – 15. Dez.: Bwindi Impenetrable Forest
12. Tag – 16. Dez.: Bwindi Impenetrable Forest
13. Tag – 17. Dez.: Bwindi Impenetrable Forest
14. Tag – 18. Dez.: Bwindi Impenetrable Forest – Lake Bunyonyi
15. Tag – 19. Dez.: Lake Bunyonyi – Brüssel

Montag, 5. Dez. 2005
Brüssel – Entebbe

Die Exo Terra Uganda Expedition brach in Brüssel um 10.35 Uhr in Richtung Kampala in Uganda auf. Nach einem 9-stündigen Flug kam das Team um etwa 22.50 Uhr Ortszeit am Entebbe International Airport an. Wir brauchten noch einmal 3 Stunden, um durch die Immigration und den Zoll zu kommen. Dadurch kamen wir mit Verspätung in Kisubi, unserem ersten Lager, an. Kisubi befindet sich am Ufer des Viktoriasees und ist nur 10 km von Entebbe entfernt.

Unsere Team-Mitglieder aus Uganda hatten bereits das Lager aufgebaut und die Zelte aufgestellt. Sie hießen uns mit einem ausgezeichneten Abendessen willkommen. Erschöpft und gut gesättigt dauerte es nicht lange, bis wir in unsere Schlafsäcke schlüpften.

Einige unserer eingefleischtesten Team-Mitglieder konnten dem Ruf der Millionen von Fröschen in der Nähe des Viktoriasees nicht widerstehen und brachen auf, um die Uferpflanzen und das Schilf mit der Taschenlampe zu untersuchen. Der erste „herpetologische“ Fund war ein Riedfrosch, Hyperolius viridiflavus, der in der Vegetation am Seeufer gefunden wurde. Wir begegneten außerdem der gemeinen Afrikanischen Kröte, Bufo regularis. Die Müdigkeit zwang jedoch auch diese hartgesottenen Forscher in ihre Betten. Alle waren gespannt, wie der Viktoriasee, die Quelle des Nils, bei Tageslicht aussehen würde.

Dienstag, 6. Dez. 2005
Kisubi – Kibale Forest National Park

Noch vor Sonnenaufgang gingen die ersten Zelte auf, um einen ersten Blick auf den legendären Viktoriasee im Morgenlicht zu werfen. An einigen Stellen hingen Nebelschwaden über dem See. An anderen Stellen hingegen färbten die ersten Sonnestrahlen das Wasser bereits in feinen Tönen aus Pink und Orange.

Nach dem Frühstück packten wir das Lager zusammen und machten uns auf in Richtung Kibale Forest National Park. Die Fahrt zu diesem einmaligen Wald, der sich im Westen Ugandas befindet, dauerte fast 9 Stunden. Auf dem Weg dort hin sahen wir das erste Mal die Schönheit der Natur von Uganda. Am Straßenrand machten wir eine kurze Mittagspause. Während dieser Pause begegneten wir den ersten wild lebenden Tieren – eine Gruppe von schwarzen und weißen Colobusaffen in einiger Entfernung. Auf einem nahe gelegenen Termitenhügel konnten wir Blaukehlagame, Acanthocerus atricollis, ausmachen und fotografieren.

In Fort Portal machten wir die nächste kurze Pause, wo wir uns mit Vorrat für den Aufenthalt im Regenwald versorgen konnten.

Als wir an unserem Ziel Bigodi ankamen, schlugen wir zuerst unser Lager auf. Hier sollten wir die nächsten zwei Nächte verbringen. Bigodi liegt in der Nähe des Kibale Forest National Park, der 1993 zum Nationalpark erklärt wurde. Zurzeit stehen ungefähr 766 km2 unter Naturschutz. Der Kibale Forest National Park besteht überwiegend aus immergrünem Feuchtwald. Er stellt einen Übergang zwischen den Regenwäldern des Flachlandes und dem Gebirgsregenwald dar. Daneben gibt es außerdem eine Anzahl weiterer unterschiedlicher Habitate innerhalb des Parks, u.a. Sumpf, Grasland, Walddickicht und kolonisierendes Buschwerk. Der Niederschlag konzentriert sich in der Regel auf zwei deutlich ausgeprägte Regenzeiten, von März bis einschließlich Mai und von September bis einschließlich November. Die durchschnittliche in Kanyawara gemessene jährliche Höchsttemperatur beträgt 23,3 °C, und die durchschnittliche jährliche Tiefsttemperatur beträgt 16,2 °C.

Nach Sonnenuntergang begannen wir unsere Suche nach nachtaktiven Amphibien und Reptilien. In dieser Nacht begleiteten uns bewaffnete Führer durch den dichten Wald, da es in dieser Gegend in Hülle und Fülle Waldelefanten und –büffel gibt. Dies sind Unterarten der Savannenelefanten und –büffel; sie gelten jedoch als gefährlicher und aggressiver. Die meisten Schlangenarten werden nach Sonnenuntergang aktiv, besonders die Afrikanische Felsenpython (Python sebae) und die Vipern (Atheris sps. und Bitis nasicornis). Wir konnten jedoch leider keine dieser Arten finden und kehrten nach ein paar Stunden zu unserem Lager zurück. Wir sorgten dafür, dass uns die bewaffneten Führer auch am nächsten Abend wieder begleiten würden.

Mittwoch, 7. Dez. 2005
Kibale Forest National Park

Früh am nächsten Morgen verließen wir unser Basislager in Richtung Kanyanchu, eine Feldstation im Wald. Wissenschaftler der Makerere Universität nutzen diese Feldstation und das enorme Netzwerk an Pfaden, die man in diesem Teil des Waldes finden kann, um die vielen Primatenarten zu erforschen.

Wir suchten nach den vier Chamäleonarten, die im Kibale Forest verzeichnet sind; Bradypodion adolfifriderici, Chamaeleo ellioti, C. ituriensis und Rhampoleon boulengeri. Leider fing es in den frühen Morgenstunden an zu regnen und hörte bis spät in die Nacht nicht auf. Dies machte es so gut wie unmöglich, überhaupt Reptilien zu finden.

Der einzige und dazu sehr interessante Fund war die farbenfrohe Nashornviper, Bitis nasicornis – eine der vielen Giftschlangen Ugandas und ganz bestimmt eine der schönsten. Sogar unsere Führerin war über diesen Fund überrascht. Das letzte Mal, als sie diese Schlange gesehen hatte, war, als sie 5 Jahre alt war. Dies sollte Ihnen einen Eindruck vermitteln, wie selten diese Schlangenart ist. Leider sahen wir keine anderen Reptilien oder Amphibien an diesem Tag. Die einzige Abwechslung, die sich uns während der 8-stündigen Wanderung durch den dichten Regenwald bot, war die Begegnung mit einer Gruppe Schimpansen. Die Gruppe saß hoch oben in den Bäumen und aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse konnten wir sie auch nicht gut sehen, geschweige denn gute Fotos machen. Wir hatten in der Kanyanchu Feldstation ein spätes Mittagessen, wo wir auf den Sonnenuntergang warteten.

Bei Sonnenuntergang gingen wir zurück in den Wald, wieder mit den bewaffneten Führern, um unsere Suche nach den Reptilien und Amphibien fortzuführen. Glücklicherweise hatte es aufgehört zu regnen. Trotzdem konnten wir wieder nichts außer dem gemeinen Frosch Ptychadena mascareniensis am Rand des Waldes finden. In dieser Nacht gaben wir unsere Wanderung bereits nach einer Stunde auf und kehrten zu unserem Camp zurück. Dort überraschten unsere ugandischen Team-Mitglieder uns mit einem enormen Buffet mit kongolesischen und ugandischen Spezialitäten. Sie hatten dieses Buffet geplant, um den Geburtstag von drei unserer Team-Mitglieder zu feiern: Michael, Noah und Oliver. Das ugandische Serviceteam hatte sogar eine Geburtstagstorte mit ihren Namen darauf den ganzen weiten Weg aus Entebbe organisiert.

Dies war eine willkommene Leckerei nach einem langen, regnerischen, erfolglosen Tag der Reptiliensuche und wir gingen alle zufrieden in unsere Zelte.

Donnerstag, 8. Dez. 2005
Kibale Forest – Rwenzori Mountains

Der nächste Tag begann viel versprechend – ein strahlend blauer Himmel! In den Bäumen neben unseren Zelten konnten wir mehrere Blauköpfige Baumagamen (Acanthocerus atricollis) ausmachen, die bereits als Ausgleich für die gestrige Dusche in der Sonne lagen. In den frühen Morgenstunden erforschten wir die Feuchtgebiete und die Marsch hinter unserem Lager in Bigodi. Der Rand des Sumpfes bestand aus dichtem Dickicht mit Papyrus gemischt. Auf den Bäumen konnten wir rote Colubusaffen und viele farbenfrohe Vögel, darunter den Afrikanische Graupapagei, erkennen. Ein männlicher Adolfus africanus sonnte sich auf einem Baumstumpf. Und dann endlich ein Paar Chameleo ellioti. Das Männchen hatte ein auffälliges orangefarbenes, blaues Muster. Das Weibchen war fast ganz grün. Dieses Pärchen wurde in einem kleinen Baum ungefähr 2 m über dem Boden gefunden. Nach einer gründlichen Suche in derselben Gegend fanden wir ein weiteres Pärchen, ebenfalls in einem kleinen abgesonderten Baum. Dies beweist, dass diese Art in Paaren lebt, was für Chamäleons außergewöhnlich ist. Während einer Pause an einer Bar, an der wir warme Soda kauften, bemerkten wir ein Pärchen kleiner Tropischer Hausgeckos (Hemidactylus mabouia) an der Decke der Bar.

Von hieraus reisten wir zurück nach Fort Portal, wo wir unsere Mittagspause machten und unsere Vorräte aufstockten. Nach dem Mittagessen reisten wir weiter nach Nyakalengija in den Rwenzori Mountains, um dort unser Lager aufzuschlagen. Währenddessen wurden wir von hunderten von Dorfbewohnern begrüßt, die neugierig waren zu erfahren, was wir vorhatten. Nachdem wir mit dem Aufbau fertig waren, begannen wir sofort mit einer ersten Aufklärungsexpedition und suchten nach dem Dreihornchamäleon (Chamaeleo johnstoni) und nach dem noch selteneren Bradypodion xenorhinum – jedoch ohne Erfolg. Alle gingen früh ins Bett, um sich auf die große Wanderung am nächsten Tag in die Berge vorzubereiten.

Die Rwenzori Mountains bilden im Nordosten die Grenze zwischen dem Kongo und Uganda. Sie haben hohe zerklüftete Bergspitzen; davon ist die höchste mit 5.119 Metern der Margherita Peak. In diesen berühmten “Bergen des Mondes” fällt 350 Tage im Jahr Regen. Dies bringt einen dicken Nebel hervor, der durch die Moos bewachsenen Bäume zieht. Diese Berge sind ein wahrer Gebirgszug, der durch die Anhebung der Erdkruste durch tektonische Bewegungen geschaffen wurde, und nicht als Ergebnis von vulkanischen Aktivitäten. Der Gebirgszug ist 120 km lang und 48 km breit. Die Berge sind oft von Nebel und Wolken umhangen, sodass die Spitzen nur selten aus der Ferne erkennbar sind. In der Mitte dieses Gebirgszuges gibt es sechs Spitzen, die das ganze Jahr über schneebedeckt sind; drei davon sind Gletscher. Die höchste dieser Spitzen und die dritthöchste Erhebung in Afrika ist mit 5102 Metern über dem Meeresspiegel der Mount Margherita.

Die Rwenzori Mountains wurden 1991 zum Nationalpark erklärt. Der Park erstreckt sich über 996 km2 über ein raues Bergterrain und ist die Heimat von Schimpansen, Riesenwaldschweinen, Waldelefanten und vielen einzigartigen Reptilien- und Vogelarten. Im Vergleich zu anderen Gruppen von Wirbeltieren ist die Anzahl an endemischen Reptilien mit 11 endemischen Arten relativ gering. Darunter findet man vier Chamäleonarten und vier Skinkarten (der Art der Leptosiaphos). Trotz seiner hohen biologischen Bedeutung ist der Wald in dieser Region bisher nur wenig erforscht. Spezielle Referenzen über die Artenvielfalt der Rwenzori Mountains bleiben rar. Man vermutet, dass weitere endemische Reptilien- und Amphibienarten in diesem Bergwald vorkommen.

Freitag, 9. Dez. 2005
Rwenzori Mountains

Nach dem Frühstück erkundigten wir uns nach einigen Trägern, die uns dabei helfen sollten, unsere schwere Ausrüstung den Berg hinaufzutragen. Alles wurde genau auf einer Wage abgewogen, um die Träger nicht zu überlasten. Das äußerste Gewicht für jeden Träger lag bei 25 kg, was ganz schön viel ist, wenn man die Art des Anstiegs bedenkt!

Nachdem wir das Büro der Uganda Wildlife Authority verlassen hatten, begannen wir unseren Aufstieg zu der Nyabitaba-Hütte. Vom Dorf aus war es immer noch eine vierzigminütige Wanderung, um die Grenze des Rwenzori National Parks zu erreichen. Als wir dann den Park erreicht hatten, folgten wir dem Pfad entlang des Mubuku River. Dieser erste Abschnitt der Expedition erforderte das Überqueren von Gelände, in dem es in jüngster Zeit zu Erdrutschen gekommen war, sowie das Überklettern von Felsen und Klippen, bis wir nach etwa 3 Stunden den Mahoma River erreichten. Die Temperatur hatte mittags 35°C erreicht, was das Klettern noch schwieriger gestaltete. Nachdem wir den Mahoma River überquert hatten, wurde das Gelände steiler, über Farnkraut- Abhänge und durch den Podorcarpuswald. Wieder begleiteten uns zu unserer Sicherheit mit Kalaschnikows bewaffnete Führer, da der Pfad regelmäßig von vielen Waldelefanten gekreuzt wird. Wir brauchten noch weitere 4 Stunden, bis wir die Nyabitaba- Hütte (2652 m) endlich erreicht hatten; ein Anstieg von mehr als 1200 Metern. Wir waren schon fast an der Hütte angekommen, als wir das seltene Bradypodion xenorhinum fanden – auf einer Höhe, auf der wir gehofft hatten, das noch seltenere Bradypodion carpenteri zu finden. Auch eine intensive Suche der Team-Mitglieder und der einheimischen Fährtenfinder konnte das seltene Chamäleon nicht zu Tage bringen. Erschöpft von dem Aufstieg gingen wir alle früh ins Bett und ließen die geplante Nachtsuche aus. Der “Gartenschuppen” aus Metall, der mit dem Namen Nyabitaba-Hütte gesegnet war und in dem wir 11 schlafen mussten, war eine interessante Herberge für die Nacht.

Samstag, 10. Dez. 2005
Rwenzori Mountains

Nachdem wir alle ordentlich ausgeschlafen hatten, waren wir wieder frisch. Zuerst dokumentierten und fotografierten wir das Bradypodion xenorhinum, das wir am Tag zuvor gefunden hatten. Übernacht hatten wir das Chamäleon in einem Exo Terra Terra Explorarium gelassen, das wir vor der Hütte aufgehängt hatten. Danach begannen wir den zweiten Tag der Erforschung und den Abstieg zurück nach Nyakalengija. Man braucht für den Abstieg normalerweise einige Stunden; aber wir beschlossen, uns ausreichend Zeit zu lassen, um ausgiebig nach Chamäleons und anderen Reptilien zu suchen.

Wir wollten am Nachmittag zurückkehren, aber eine Übernachtung in Nyakalengija wurde erwartet. Wir brauchten weniger als eine Stunde, um ein weibliches Bradypodion xenorhinum zu finden und kurz danach ein junges männliches. Die nächste Entdeckung war ein unglaublich schön gefärbtes Dreihornchamäleon (Chameleo johnstoni) -- grün, blau, gelb und sogar ein rot-orangefarbener Kopf. Das Tier wurde in der Nähe des Flusses gefunden, unten an einem steilen Abhang. Wir mussten eine Menschenkette bilden, um es zu fangen und um dieses prächtige Tier ordentlich dokumentieren und fotografieren zu können. Während wir noch die Schönheit dieses Tieres bewunderten und Mengen an Fotos machten, fand ein Träger ein Weibchen in einem nahe gelegenen Busch. Obwohl die Weibchen keine Hörner haben, sind sie fast genauso atemberaubend und farbenfroh wie die Männchen. Wir waren nun in der Nähe der Mahoma-Brücke; ungefähr zwei-drittel der Strecke nach Nyakalengija. Nach diesem Punkt fanden wir nicht mehr viele Reptilien außer einem sich sonnenden Adolfus africanus und einem Pärchen Chamaeleo ellioti.

Es war bereits später Nachmittag, als wir an unserem Basislager ankamen. Dort hießen uns abermals die Dorfkinder willkommen. Dieses Mal versuchten sie sogar, uns Chamäleons (!) zu verkaufen, die sie in der Nähe gefangen hatten. Die meisten davon waren das seltene Bradypodion xenorhinum, was darauf hinweist, dass die Population doch nicht so gering ist. Wir wollten die Kinder nicht dazu ermutigen, weitere Chamäleons einzufangen und kauften deshalb keine Chamäleons ab. In der Nähe des Lagers konnten wir einen merkwürdig aussehenden Adolfus sp. und verblüffende blau-köpfige Baumagame in der späten Nachmittagssonne fotografieren. Wir hatten ein frühes Abendessen und feierten unsere erfolgreiche Rwenzori- Expedition an einem riesigen Lagerfeuer. Wir gingen alle zu unseren Zelten, lange bevor sich die Dorfbewohner zurückzogen – soweit wir dies anhand der lauten Musik am Fuße des Hügels beurteilen konnten. Aber es war ja auch Samstagabend!

Sonntag, 11 Dez. 2005
Rwenzori Mountains – Maramagambo Forest

Nachdem wir uns von den 30 Leuten verabschiedet hatten, die uns am Tag zuvor in die Berge begleitet hatten und von den restlichen Dorfbewohnern, machten wir uns mit unserem Convoy in Richtung des Maramagambo Forest im Queen Elizabeth National Park auf. In der charmanten Stadt Kasese machten wir kurz Pause, um unsere Vorräte aufzufüllen und unsere Jeeps aufzutanken. Kurz danach überquerten wir den Äquator und erreichten das Kasese-Flachland in der Nähe des Lake George. Der Wechsel des Klimas und des Lebensraums war verblüffend – vom tropischen Regenwald zur typischen trockenen afrikanischen Savanne in nur einer Stunde. Wegen der unglaublich vielen wild lebenden Tiere, darunter Büffel, Elefanten und Löwen, war es zu gefährlich, um sich auf der Suche nach der Herpetofauna von den Wagen zu entfernen! Während wir einen Nilwaran (Varanus niloticus) fotografierten, erschien eine Herde von ungefähr 30 Elefanten am Fuße des Hügels.

Den Wagen zu verlassen, um im Dickicht nach Chamäleons zu suchen, stand außer Frage. Wir fuhren vorsichtig weiter und suchten von den sicheren Jeeps aus weiter. Neben den Elefanten trafen wir auf verschiedene Antilopenarten, Büffelherden, Warzenschweine und Riesenwaldschweine. Wir hofften, einige der vielen Schlangen zu sehen, die man hier finden kann, wie zum Beispiel die Speikobra (Naja nigricollis) oder die Puffotter (Bitis arietans), aber wir konnten keine finden.

Unsere Mittagspause machten wir in Mweya in der Nähe des Kazinga-Kanals. Von dort aus nahmen wir ein Boot, um die Ufer des Kanals zu erkunden. Der Kazinga-Kanala verbindet Lake George mit Lake Eduard. Neben Großwild wie Flusspferden, Büffeln, Elefanten und Buschböcken, fanden wir auch unser erstes Nilkrokodil (Crocodylus niloticus), das sich am sandigen Ufer sonnte. Wilde Tiere gab es reichlich an diesem Kanal und es war großartig, dass ebenfalls ein kleines, sehr aktives Fischerdorf am Ufer zu sehen war – Menschen, die in Harmonie mit all diesen Tieren leben. Trotzdem entschieden wir uns, im Boot zu bleiben. Wir kehrten spät nach Mweya zurück und mussten uns beeilen, um zu unserem neuen Lager am Rande des Maramagambo Forest in der Nähe von Nyamusingiri zu kommen. Als wir in unserem Lager ankamen – lange nach Sonnenuntergang – hatte unser Serviceteam saftige Steaks auf einem improvisierten Grill über dem Lagerfeuer für uns bereitet. Ein großartiges Abendessen nach einem noch großartigeren Tag.

Montag, 12. Dez. 2005
Maramagambo Forest

Maramagambo Forest ist eines der größten Waldgebiete Ugandas. Das letzte in Ostafrika, das in mittlerer Höhe liegt und aus halb Laub abwerfendem Feuchtwald besteht. Der Name des Waldes bezieht sich auf seine ungeheure Größe und bedeutet “derjenige, der durch den Wald zieht, ist wortkarg“. Hier und da gibt es in dem Wald einige ruhige Kraterseen und Höhlen. Der Wald erstreckt sich bis zu der südlichen Spitze des Queen Elizabeth National Parks, der so genannte Ishasha-Sektor, der nach dem Fluss benannt wurde, der die Grenze zu der Demokratischen Republik Kongo bildet.

Nach dem Frühstück verließen wir das Lager, begleitet von bewaffneten Führern und wanderten zu einer der Höhlen im Wald. Wir brauchten etwa 2 Stunden, bevor wir den Eingang zu der Höhle erreicht hatten. Die Höhle ist das Zuhause von tausenden von Ägyptischen Fledermäusen, die bereits aus einiger Entfernung gehört und auch gerochen werden konnten. In einer Mulde unten in der Höhle fanden wir eine Afrikanische Felsenpython (Python sebae), die gerade eine Fledermaus würgte und fraß. Während wir tiefer in die Höhle hinabstiegen, sahen wir noch weitere Pythons, die lauerten und bereit waren, eine verirrte Fledermaus zu erhaschen. In der Zwischenzeit flogen hunderte Fledermäuse aus und in die Höhle und stießen jede Sekunde mit uns zusammen. Als wir die Höhle verließen, war das gesamte Team von winzigen Milben übersät. Glücklicherweise sind diese für Menschen harmlos. Wir hatte auch gehofft, hier eine Weißlippenkobra (Naja melanoleuca) zu finden, die auf Fledermäuse lauert; wir konnten jedoch keine finden. Wir erforschten noch eine weitere Höhle, die so genannte Hunter Cave. Aber außer ein paar Knochen und Schädeln, konnten wir in dieser Höhle nichts finden. Es gab reichlich Vögel, aber Reptilien konnten wir in dem Wald nicht finden. Auch während der Nachtwanderung fanden wir keine spektakulären Amphibien oder Reptilien.

Dienstag, 13. Dez. 2005
Maramagambo Forest – Ishasha

Am nächsten Morgen setzten wir unsere Reise in den Süden fort; zu der südlichsten Spitze des Queen Elizabeth National Parks, der auch als Ishasha-Sektor bekannt ist. Wir brauchten ungefähr 3 Stunden, um die wunderschöne Savanne zu durchqueren, bevor wir am Ufer des Ishasha-Flusses ankamen. Wir konnten viel Wild beobachten; hauptsächlich große Herden Ugandische Moorantilopen, Topi und Büffel. Unser Lager errichteten wir gleich am Ufer in einem kleinen Wald. Wenn es keine Flusspferde im Wasser gegeben hätte, hätte man einfach durch den Fluss in den Kongo waten können. Aber obwohl wir sie nur vom Ufer aus beobachteten, griffen uns die Flusspferde mehrmals an.

Hier suchten wir nur ganz wenig nach Reptilien und konzentrierten uns auf die Chamaeleo bitaeniatus und Geckos wie der Homopholis fasciata und der Lygodactylus gutturalis. Nachdem wir das Lager errichtet hatten, fuhren wir mit dem Wagen in höher gelegene Savannengebiete, um dort die Reptilienfauna zu erkunden. Es war schnell klar, das es am besten war, im Wagen zu bleiben, da wir eine Löwin im hohen Gras sehen konnten. Ihre drei Jungen saßen hoch in den nahe gelegenen Bäumen. Die Bäume und das Dickicht lagen zu eng zusammen, um den Wagen auf dieser Seite des Parks zu verlassen. Also entschieden wir uns, in eine andere Gegend mit weniger dichter Vegetation zu fahren, um einen bessern Überblick über die umliegende Gegend zu haben. Es dauerte nicht lange, bis wir unseren ersten Taggecko, Lygodactylus gutturalis, auf einem sehr schmalen Baum fanden. Die weitere Suche ergab, dass diese Art hier reichlich vorkommen muss, da wir hier auf fast jedem Baum einen oder sogar ein Paar fanden. Größere Bäume, wie Feigenbäume, beherbergten wahrscheinlich noch größere Populationen. Auf der Suche nach Geckos fanden wir das erste Mal auch eine weitere Chamäleonart: Chameleo bitaeniatus. Diese Art ist nur in höher gelegenen Savannenregion zu finden und hauptsächlich in Akazien. Auf dem Rückweg hatten wir die einmalige Chance, die Löwenjungen, die wir schon zuvor gesehen hatten, zu fotografieren. Die Mutter war verschwunden und wahrscheinlich auf der Jagd.

Als wir bei Sonnenuntergang zum Lager zurückkehrten, waren die Flusspferde gerade sehr aktiv. Ihre lauten Rufe konnten schon aus einiger Entfernung gehört werden. Wir aßen zu Abend und blickten auf den Kongo, den Fluss und seine Flusspferde. Danach erkundeten wir die Gegend um unsere Zelte, bevor die Flusspferde das Wasser verließen. Wir hatten das Glück einen jungen Waldgecko, Cnemaspis quattuorseriata, auf einem Baumstumpf zu entdecken. Alle gingen mit dem Gedanken ins Bett, dass die Flusspferde in der Nacht durch unser Lager marschieren könnten und so konnten wir nur schwer einschlafen.

Mittwoch, 14. Dez. 2005
Ishasha – Bwindi Impenetrable Forest

Eine plötzliche Explosion lauten Gebrülls und Fauchen weckte uns kurz vor Sonnenaufgang auf. Die Flusspferde grasten ganz in der Nähe und hatte uns mit ihrer Version eines “Weckrufes” geweckt. Als die Sonne aufging, kehrten die lauten Flusspferde ins Wasser zurück und wir konnten das Lager abbauen. Nach dem Frühstück machten wir eine Morgen-Safaritour über die offene Savanne von Ishasha in der Hoffnung noch mehr typische Savannentiere zu sehen. Die Temperatur erreichte um 10 Uhr morgens bereits 38,5°C; unsere höchste Temperatur während der Expedition. Außer einer Herde Elefanten, den normalen Antilopen und Büffeln gab es nicht viel zu sehen. Also entscheiden wir, uns zum Bwindi Impenetrable Forest aufzumachen; ungefähr 45 km südlich gelegen.

Wir schlugen das Lager am Rande des Regenwaldes auf; wieder eine komplett andere Umgebung als die offene Savanne. Wir unterstützten das einheimische Dorf Buhoma, indem wir ihre Serviceangebote und ihr Zeltlager in Anspruch nahmen. Das kalte Bier und die heiße Dusche waren mehr als willkommen! Das Team entspannte sich am Nachmittag und bereitete sich darauf vor, in den Impenetrable Forest am nächsten Tag einzudringen. So hatte auch das Serviceteam einen freien Tag, da uns die Einheimischen mit dem meisten versorgten.

Donnerstag, 15. Dez. 2005
Bwindi Impenetrable Forest

Der Bwindi Impenetrable Forest liegt an der südwestlichsten Spitze Ugandas, hoch am Rande des westlichen Rift Valley in den Rukiga Highlands. Seine Grenzen werden durch den Kongo flankiert und grenzen an die Vulkane von Virunga. Aufgrund seiner Größe und Weitläufigkeit sowie der Tatsache, dass er sowohl Berg- als auch Flachlandwälder umfasst, ist die Artenvielfalt hier enorm. Eine große Anzahl an Pflanzen und Tieren sind in dieser Gegend beheimatet.

Aufgrund seiner Gorilla-Populationen wurde der Bwindi Impenetrable Forest zum Weltnaturerbe erklärt. Die Hälfte der weltweiten Populationen von Berggorillas ist in Bwindi beheimatet (die übrigen leben verstreut im Virunga- Schutzgebiet zwischen dem Kongo, Ruanda und Uganda). Die Vegetation ist die eines typischen, tropischen Regenwaldes mit sehr dichtem Gestrüppbewuchs. Der Bwindi Impenetrable Forest ist eines der artenreichsten Ökosysteme in Afrika.

Auf knapp 320 Quadratkilometern wird der Bwindi Impenetrable National Park seinem Namen gerecht: die Böschungen sind sehr steil, die Vegetation entlang der Pfade kann äußerst dicht sein und ein Großteil im Zentrum des Waldes ist kaum zugänglich. Im Wald gibt es einige Wasserbiotope, darunter drei verschiedene Arten von Sümpfen, einige große Flüsse, viele Bäche und einige Pfade.

Nach dem Frühstück erhielten wir eine kurze Einweisung von der Uganda Wildlife Authority für den Fall, dass wir im Wald auf Gorillas treffen sollten. Nach der Einweisung trafen wir auf einige bewaffnete Führer, die unsere Sicherheit garantieren sollten. Immerhin wurden erst 1999 acht Ausländer von kongolesischen und ruandischen Rebellen getötet. Wir fuhren ungefähr eine Stunde zu einem entfernt liegenden Eingangspunkt im nördlichen Sektor. Als wir den Wald betreten hatten, wurde der Name klarer und klarer. Zu den Arten, auf die wir treffen wollten, zählten das Chamaeleo adolfifriderici, das Rhampholeon boulengeri, der Waldgecko (Cnemaspis quattuorseriata), die hochgiftige Vogelnatter (Thelotornis kirtlandi) und die Schwarzgrüne Buschviper (Atheris nitschei). Aber noch bevor wir darüber nachdenken konnten, standen wir Auge in Auge mit einem riesigen Silberrücken. Dieses riesige Männchen war von einem Harem Weibchen umrundet, einigen jüngeren Männchen und vielen Baby-Gorillas. Es war ein ergreifender Moment, so nahe bei einem unserer nächsten Verwandten zu sein. Wir verbrachten fast eine Stunde mit ihnen, bevor wir unsere Suche nach Reptilien und Amphibien wieder aufnahmen. Nach dem Fehlalarm, dass eine Schlange gesehen wurde (es war ein riesiger Regenwurm), fanden wir endlich ein Chamäleon. Es war wahrscheinlich eine der seltensten Arten in diesem Teil der Welt: das Chamaeleo adolfifriderici. Es war ein trächtiges Weibchen; aber alle Versuche, das Männchen auszumachen, schlugen fehl. Außer dem männlichen Chameleo ellioti und dem Adolfus jacksoni in der Nähe des Lagers fanden wir an diesem Tag keine weitere Herpetofauna.

Freitag, 16. Dez. 2005
Bwindi Impenetrable Forest

Wir mussten Buhoma früh verlassen, da wir ganz um den Bwindi Impenetrable Forest über einen gewundenen Bergpfad herum fahren mussten. In dem südlichen, höher gelegenen Teil des Waldes war es wahrscheinlich, höher angesiedelte Arten wie das Chamaeleo rudis, Chamaeleo johnstoni und Buschvipern wie die Atheris nitschei anzutreffen. Die Fahrt über die Ruhija-Route nach Nkuringo (nur einige Kilometer von der kongolesischen und ruandischen Grenze entfernt) dauerte ungefähr 9 Stunden. Wir hielten an mehreren interessanten Stellen für kurze Erkundungen, aber waren nicht erfolgreich. Nachdem wir an den landschaftlich reizvollen Landschaften mit terrassierten Hügeln und Bergen vorbeigefahren waren, kamen wir am späten Nachmittag in Nkuringo an. Auch hier nutzten wir wieder den örtlichen Campingplatz, der von der einheimischen Gemeinde angeboten wurde. Es war sicher die abgelegenste Stelle von allen; umrundet von sagenhaften Aussichten auf den Bwindi Impenetrable Forest und die Virunga-Vulkane. Einer dieser Vulkane ist der Drei-Länder-Punkt zwischen Uganda, Ruanda und dem Kongo. Die Dorfbewohner machten uns ein Lagerfeuer in der Nähe der Gemeindehütte, um die wir uns nach dem Abendessen versammelten. Müde von der Fahrt gingen wir an diesem Abend früh ins Bett.

Samstag, 17. Dez. 2005
Bwindi Impenetrable Forest

Am nächsten Morgen wachten wir alle früh auf und fanden unser erstes Chamäleon noch vor dem Frühstück! Es war ein unwerfendes Chameleo johnstoni mit blauen Augen. Während einer von uns Fotos machte, fanden andere Team-Mitglieder bereits weitere Chamäleons. Dann entschieden wir uns, die Suche zu beenden und uns darauf zu konzentrieren, gute Fotos von einigen männlichen und weiblichen Dreihornchamäleons zu machen. Die Population dieser Chamäleons war äußerst hoch und wir fanden außerdem zwei sich duellierende Männchen, die mit den Hörnern in einander hingen. Einige Team-Mitglieder erforschten den Waldrand, während andere ihre fotografischen Fähigkeiten in der Nähe des Lagers verbesserten. Bei Sonnenuntergang waren wir alle mit den Bildern, die wir machen konnten, zufrieden. Nachdem wir die Weltpolitik am Lagerfeuer diskutiert hatten, gingen wir alle viel zu spät ins Bett.

Sonntag, 18. Dez. 2005
Bwindi Impenetrable Forest – Lake Bunyonyi

Mit gemischten Gefühlen verließen wir Bwindi an diesem Morgen. Die Abreise aus Bwindi bedeutete, dass wir die Reise nach Hause antraten. Die Route zurück führte uns wieder über gewundene Straßen, über Berge und durch Täler, die zu den abgelegenen Dörfern am Rande des Bwindi Impenetrable Forest führten. Dann erreichten wir die Hauptstraße in der Nähe von Muko am Lake Bunyonyi. Dies ist der tiefste Kratersee in Afrika und der tiefste See in Uganda. Für die Team-Mitglieder war es eine große Überraschung, dass sie die letzte Nacht in einem touristischen Bungalow-Ressort mit Blick auf den See verbringen sollten. Es war, als ob wir zurück in die Zivilisation gekehrt sein: heiße Duschen, richtige Betten, kalte Getränke und sogar ein Restaurant! Wir vergaßen sogar, nach Reptilien zu suchen – zumindest einige von uns, denn die „Hardcore-Reptilien-Freaks“ suchten immer noch im Schilf nach Schlangen und Fröschen. Andere gingen im See zur Erfrischung schwimmen und wieder andere genossen den letzten Tag mit einem kalten Nil Lager-Bier.

Montag, 19. Dez. 2005
Lake Bunyonyi – Brussels

Lake Bunyonyi war ein himmlischer Ort and es fiel uns sehr schwer, uns zu trennen und nach Kisubi in der Nähe des Viktoriasees aufzubrechen. Wir brauchten etwa 8 Stunden nach Kisubi, wo wir uns nach einer langen Reise frisch machen und unsere letzte gemeinsame Malzeit in Uganda zu uns nehmen konnten. Um 21.00 Uhr verließen wir das Ufer des Viktoriasees und machten uns auf zum Flughafen von Entebbe, wo unser Flugzeug nach Brüssel wartete. Mit SN Brussels Airlines kamen wir am 20. Dezember um 06.05 Uhr Ortszeit in Brüssel an. Müde aber zufrieden gingen alle Team-Mitglieder ihrer Wege – im Gepäck großartige Erinnerungen, unglaubliche Fotos und Tonnen an Wissen und Erfahrungen.

 
FacebookYouTubeTwitterGoogle PlusLogo Conservation Networking

Accounts

Passwort vergessen?

Register Now
3. Entdeckung einer bis dato unbekannten Art während der Exo Terra Expedition